Theo van Goghs Das Interview am WBT in Münster

Szene aus der Theateradaption Das Interview am WBT in Münster

Szene aus der Theateradaption Das Interview am WBT in Münster (Photo: Presse WBT)

Und wer ist jetzt der Sieger?“. Der Journalist schweigt. “Den Tod kann man nicht besiegen” antwortet er. Der Schlagabtausch zwischen Interviewer und Interviewten bringt am Ende keinen Sieger hervor. Die vermeintlichen Gewinner stehen nicht auf der Bühne, sie sitzen im Publikum. Es sind die Zuschauer. Auch in Münster. Auch an diesem Abend. Diejenigen Theaterbesucher, die die Qualität der Leistungen erkannt haben und begeistert eine weitere hervorragende Meinhard Zanger Inszenierung mit lang anhaltendem Applaus goutieren.

Zum wiederholten Male war es dem Regisseur und Intendanten des Wolfgang Borchert Theaters in Münster gelungen, eine Inszenierung mit den richtigen, passenden Darstellern zu besetzten. In diesem Fall für die zur Zeit in NRW sehr beliebte Adaption des Theo van Gogh Films “Das Interview”. Sabrina vor der Sielhorst gibt beeindruckend facettenreich die junge Schauspielhoffnung Katja, die an einem für sie sehr unpassenden Abend einem Journalisten ein Interview geben muss. Vor ihrer Haustür wartet bereits der renommierte Politik-Journalist Pierre Peters (souverän: der Berliner Theater-, Fernseh- und Film-Schauspieler Henning Kober), der als Ersatzmann dem gefeierten, jungen Soap-Star, ein paar Fragen stellen muss, weil der Kulturredakteur erkrankt ist. Zwischen den beiden entwickelt sich im Laufe der knapp zwei Stunden ein ebenso prickelnder wie spannender Schlagabtausch, den man sich noch in zahlreichen Aufführungen bis zum 30.04. im WBT in Münster anschauen sollte. Eine tolle Leistung von allen Beteiligten.

Stephen Kings Misery auf der Theaterbühne in Münster

Szene aus Simon Moores Misery am WBT in Münster

Szene aus Misery am WBT in Münster (Photo: Presse WBT)

Die Schauspielerin Monika Hess-Zanger hat in der Spielzeit 2010/2011 am Wolfgang-Borchert-Theater in Münster eine ganze Menge zu tun. Gleich in drei Stücken ist die erfahrene Darstellerin zu sehen: In Terrence McNallys “Meisterklasse” (eine Ko-Produktion mit den Städtischen Bühnen), in Éric-Emmanuel Schmitts “Kiki van Beethoven” und seit dem 10. Februar nun auch in der Bühnenadaption von Stephen Kings “Misery”. Der Psychothriller von Stephen King wird am WBT in Münster von Johannes Kaetzler inszeniert. Und Kaetzlers Inszenierung hält sich im Großen und Ganzen dicht an die Roman- sowie an die Theatervorlage.

Bereits mit der ersten Szene stellt sich der erfolgreiche Romanautor Paul Sheldon dem Publikum vor. Dieser hat just seine Bestseller-Reihe MISERY zu Ende gebracht. Und auch für seinen vermeintlich letzten Teil der Reihe erhält der erfolgreiche Autor eine Auszeichnung. Als er freudetrunken auf dem Rückweg nach New York von der verschneiten Straße abkommt und einen Abhang herunterstürzt, scheint die steile Karriere ein abtruptes Ende zu finden. Doch Sheldon (am WBT überzeugend verkörpert von Sven Heiß) erwacht nach einem mehrtägigen Koma in einem fremden Bett und findet sich im Haus der examinierten Krankenschwester Anni Wilkes wieder. Das große Glück im Unglück entpuppt sich jedoch in den nächsten 105 Minuten als großes Pech, denn Annie versorgt ihren Patienten zwar mit Schmerzmitteln, entpuppt sich aber als äußerst hartgesottener Fan der Misery-Reihe mit ganz eigenen Vorstellungen über Verlauf, Ablauf und Ausgänge der Romane.

Szene aus Simon Moores Misery am WBT in Münster

Szene aus Simon Moores Misery am WBT in Münster

Das Zwei-Personen-Stück “Misery”, geschrieben von Simon Moore, steht und fällt mit den Darstellern. In einer Verfilmung von Rob Reiner im Jahr 1990 hatte Hollywood-Star Kathy Bates die weibliche Hauptrolle so überzeugend verkörpert, dass sie dafür mit einem Oscar belohnt wurde. In Münster kann Johannes Kaetzler auf die erfahrenen Ensemle-Mitglieder Sven Heiß und vor allem Monika Hess-Zanger zurückgreifen. Nicht zuletzt Dank des Körpereinsatzes und überzeugenden Spiels von Hess-Zanger, die ihrer Annie Wilkes einen beängstigend diabolischen Ausdruck verleiht, entwickelt sich in einigen Szenen die atmosphärische Dichte, die ein packendes Psychodrama braucht. Kaetzlers Inszenierung hingegen kann nicht in allen Punkten überzeugend, zu groß sind manche Leerstellen, zu sehr auf Effekt inszeniert einige Regieeinfälle. Das Zwei-Personen-Stück “Misery” ist am WBT in Münster noch bis Ende der Spielzeit an zahlreichen Terminen zu sehen.

Theatertipp: Eine Familie (August: Osage County)

Szene aus dem Theaterstück `Eine Familie` (Photo: M. Hörnschemeyer)

Szene aus dem Theaterstück `Eine Familie` (Photo: M. Hörnschemeyer)

Dekonstruktion beim Leichenschmaus

Schon Goethe wusste “Zu Zeiten der Not bedarf man seiner Verwandten”. Familie hat jeder. Keiner entkommt ihr. Und manchmal ist das auch gut so. Auf den Theaterbühnen haben Familiengeschichten eine lange Tradition. Damit kann sich Tracy Letts preisgekröntes Familiendrama einreihen in eine lange Reihe von Familiendramen im Stile von Tennesse Williams, Tschechow oder Ibsen. Die Grundidee von der desaströsen Familienzusammenkunft ist nicht neu. Tracy Letts Drama “Eine Familie”, in Deutschland uraufgeführt am 31.10.2008 von Burkhard Kosminski in Mannheim, hat aber den großen Vorteil, ganz aktuell zu sein und die Themen unserer Zeit aufzunehmen.

In den USA war “August: Osage County”, so der Originaltitel, ein Sensationserfolg und räumte bis zum Pulitzerpreis alle nur denkbaren Auszeichnungen ab. Wenig später tourte das Stück durch Europa, Mannheim, Wien, Basel, Berlin, etc. An den Städtischen Bühnen in Münster hat sich Markus Kopf des Stückes angenommen. Und Kopf lässt erst einmal alles Unwichtige weg. Der Regisseur kürzt, wo er kürzen kann und das gleich zu Beginn. So zum Beispiel den Prolog der Hauptfigur, um die es in den nächsten drei Stunden gehen soll: Raus mit Beverly Weston, einem früheren Dichter und Hochschullehrer, jetzt pensionierter und selbsternannter Vollzeitalkoholiker.

Kopf hat erkannt, dass dieser Abend den Frauen gehört. Und so beginnt das Stück bei ihm im Haus der Westons, nachdem sich der Patriarch aus dem Staube gemacht hat. Bühnen- und Kostümbildnerin Kerstin Bayer hat das Kleine Haus an den Städtischen Bühnen samt Zuschaueremporen in ein zweigeschossiges Familienhaus im Südstaatenlook verwandelt. Wohnzimmer, Küche und die Schlafzimmer sind weiß möbliert und angeschliffen und bis hin zu Kühlschrank und funktionstüchtigem Fernseher ausgestattet. Es gibt vier Schauplätze. Im Wechsel beleuchtet die Lichtregie einzelne Szenen in den Wohnräumen.

Der Patriarch ist fort und die verlassene Mutter ruft. Und sie kommen alle: Los geht es mit der zweitältesten Weston-Tochter Mattie Fae (großartig asozial: Regine Andratsche), die nicht nur ihren Mann Charlie (wie immer souverän: Wolf-Dieter Kabler) kommandiert. Ketterauchend wird sie an diesem Abend nur zwei Aufgaben haben: Sich Sorgen um ihre Mutter machen und wenig später ein Geheimnis ausplaudern, das die Familie in ihren Grundfesten erschüttert. Um den Hauhalt kümmert sich in dieser aufgeladenen und von Sorge erfüllten Atmosphäre die Indianerin Johnna (Judith Patzelt, bekannt aus dem Bühnen-Erfolg Pipi Langstrumpf), die nur wenig Text hat und ab und zu den passenden Tears for Fears Klassiker „Mad World“ anstimmen darf.

Klare Hauptperson des Abends ist jedoch die ebenfalls kettenrauchende Violet (herausragend, zwischen Leid und Wut, Arroganz und Schwäche: Cornelia Niemann), verlassene Ehefrau und Mutter der drei Weston-Töchter. Violet schart nach dem Abgang des Ehemanns nicht nur ihre Töchter und ihre Schwester samt Anhang um sich, sondern auch eine ganze Menge Boshaftigkeit, gekränkte Eitelkeit und Verleumdungen. Denn wer hier an ein harmonisches Wiedersehen im Kreise der Familie denkt, liegt völlig falsch. Bereits mit dem ersten Dialog mit ihrer Schwester Ivy (schüchtern aber entschlossen: Christiane Hagedorn) wird deutlich, wie viel Boshaftigkeit und verletzter Stolz in Violet brodeln.

Nur wenig später komplettieren die älteste Tochter Barbara (atemberaubend zynisch, ungeduldig und aufbrausend: Carola von Seckendorff) samt Ehemann und verzogener Tochter, sowie Nesthäkchen Karen (Carolin M. Wirth) mit ihrem Verlobten im Schlepptau das Ensemble. Es ist ein Kommen und Gehen. Scheinwerfer aus, Spot an. Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche. Das Ensemble, zu Beginn noch verhalten harmonisch, fährt im weiteren Verlauf die Krallen aus. Und es gibt Sieger und Besiegte. Da Violet als mater familias einigermassen nüchtern ist, sind ihre Krallen besonders scharf. Mit untrüglichem Instinkt spürt sie jede noch so gut versteckte Wunde auf, um darin zu bohren. Die Situation eskaliert beim Leichenmahl, denn der Patriarch wird tot aufgefunden. Der Festakt endet in einer Rauferei.

Als einzige gelingt es Barbara, die stärkste von den drei Weston-Schwestern, ihrer verletzten Mutter Paroli zu bieten. Sie übernimmt das Kommando und die stark tablettenabhängige Mutter wird auf Entzug gesetzt. Barbara wird jedoch im Kampf gegen ihre Mutter wenig später die Waffen strecken und die Nerven verlieren. Die Frauen und Männer der Familie Weston, so unterschiedlich die Charaktere, so unterschiedlich sind auch ihre Kostüme. Moderne Kleider, Anzüge, gemusterte Schlafanzüge. In diesen variantenreichen Outfits wird diskutiert, gestritten, geschimpft und beleidigt.

Es ist ein Fest für die Darsteller. Und Markus Kopf dokumentiert, wie sich die Familie Stück für Stück zerlegt. Tracy Lett bietet ihm mit seinem genialen wie impertinenten Drama eine hervorragende Grundlage für diese Dekonstruktion. Stets auf die Pointe gebürstet, einer bissigen Soap-Opera nicht unähnlich. Das Ensemblestück gibt jedem Schauspieler und jeder Schauspielerin so viel Zucker, dass er daran eigentlich ersticken müsste – und der Zuschauer mit ihm. Denn unglückliche Familien sind dramaturgisch äußerst nahrhaft und bekannt aus Film und Fernsehen: Man kommt zusammen – vorzugsweise für eine Feier – betrinkt sich, rivalisiert, geht fremd, fördert unliebsame Wahrheiten zu Tage und bohrt anschließend in den Wunden. Den Darsteller und die Darstellerin freut´s, denn er/sie kann die kleinen Reinkarnationen des Abends ausleben und ausspielen.

Am besten gelang dies Cornelia Niemann in der Rolle der boshaften Mutter Violet und Carola von Seckendorff in der Rolle der Tochter Barbara. Sie kosten ihre Rolle so ostentativ aus, als seien sie auf einer Solo-Performance. Stehende Ovationen, der verdiente Lohn. Ihr Dank müsste vor allem an den Regisseur des Stückes gehen, an Markus Kopf, der seinen Darstellern und vor allem seinen Darstellerinnen sehr viel Raum zur Verfügung stellte. Darstellerischen wie auch geographischen Raum. Denn die Aufführung in Münster muss zwar ohne Prolog, Videoprojektion und sonstigen Spielereien auskommen, bietet aber mit der zweistöckigen Anordnung der verwinkelten Bühne im kleinen Haus den perfekten Nährboden für die kleinen, fiesen Pointen, die bei Kopfs Inszenierung manchmal harrscharf am Rand der Sitcom-Falle tappen.

“Eine Familie” wird in Münster noch an drei weiteren Terminen zu sehen sein: Am 22. Februar, am 06. März und am 14. Aprl 2011.

Informationen dazu finden Sie auf der Seite der Städtischen Bühnen Münster

Wider die Krisen – Highlights der `Nuller`-Jahre

Highlights der Nuller-Jahre

Die Highlights der Nuller Jahre in der Kunst

Was ist Kunst? Nach Johann Wolfgang von Goethe ist sie “eine Vermittlerin des Unaussprechlichen“. Was das bedeutet, dazu hat sich auch Hermann Hesse seine Gedanken gemacht: “Der Künstler stellt innerhalb unserer Gesellschaft den einzigen Menschentypen dar, welcher unbekümmert und unter weitgehender Duldung durch die Gesellschaft sich selber lebt, seiner eigenen Natur treu ist und so ein Gebot erfüllt, das jedem Menschen ins Herz geschrieben ist, dessen Ruf aber für die meisten im trüben Kampf um das Tägliche erstickt.”

Im Kampf ums Tägliche nimmt die Kunst bei den Autoren des Theaterportals Mehrtheater.de aus vielerlei Gründen einen großen Platz ein. Passend zum Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts habe auch ich noch einmal einen Blick zurückgeworfen und mich dabei gefragt: Was ist haften geblieben? Was hat einen besonderen Eindruck hinterlassen? Oder was hat mich vielleicht sogar persönlich verändert? Die Antworten sind so vielfältig und hoffentlich auch so überraschend, wie es Kunst und Kultur in dieser Dekade waren. Hier also nun meine künstlerischen Highlights des vergangenen Jahrzehnts:

Red Hot Chili Peppers, Color-Line-Arena Hamburg (2003)

Nach dem Sensationsalbum „Californication” (1999) war es ruhig geworden um die Funk-Rock Band aus Kalifornien. Die zu Beginn des neuen Jahrtausends auf vier Mitglieder geschrumpften Red Hot Chili Peppers konnten lediglich durch zahlreiche Alkohol- und Drogenexzesse oder publicityträchtige Liebeleien (Anthony Kiedis und Heidi Klum) auf sich aufmerksam machen.

Drei Jahre hat es gedauert, bis Sänger Anthony Kiedis, Bassist Flea Balzary und Leadgittarist John Frusciante ihre Drogenabhängigkeit hinter sich lassen konnten und nach eigenen Aussagen alle – mit Ausnahme des neuen Schlagzeugers Chad – zu Vegetariern wurden sowie Alkohol und Nikotin entsagten.

Nach zahlreichen kleineren Auftritten wurde 2002 das Album „By the Way“ aufgenommen, das sich sehr gut verkaufte. Jetzt wollte es die Band noch einmal wissen. Auf der anschließenden Welttournee machten die grundüberholten Kalifornier auch in Hamburg in der neuen Color-Line-Arena Station. Vor dem Auftritt durfte ich die Musiker für eine überregionale Wirtschaftszeitung interviewen und dann ihr übliches Hitprogramm in der neuen, ausverkauften Veranstaltungshalle bewundern. Anschließend verwandelten die Musiker die High-Tech-Halle in einen Privatclub und improvisierten eine einstündige Krautrocksymphonie – unterstützt von Michael Rother von der Krautrock-Legende „Neu“. Wenig später schrieb ein Kritiker: „Selbst wenn sie nur normales Programm bieten und der Sänger unter schwerer Grippe leidet, wissen sie zu gefallen. Uns lief der Schweiß über die Gänsehaut.“ Dieses Konzert ist und bleibt eines der besten Live-Konzerte meines Lebens.

MoMA, Berlin (2004)

Ein Museum reist über den Teich. Wegen Umbauarbeiten in den eigenen Hallen gastierte eine der berühmtesten Sammlungen der Welt für knapp sieben Monate exklusiv in Berlin. Zwischen Februar und September 2004 wurden 200 der bedeutendsten Meisterwerke des 20. Jahrhunderts aus dem Museum of Modern Art, New York, in der Neuen Nationalgalerie am Kulturforum gezeigt. Ikonen der Kunst des letzten Jahrhunderts wie „Der Tanz“ von Matisse, Roy Lichtensteins „Ertrinkendes Mädchen“ oder van Goghs „Sternennacht“ wurden erstmals in dieser geschlossenen Form außerhalb Amerikas gezeigt.

Die Ausstellung erreichte bereits nach nur 120 Tagen die für die gesamte Ausstellungsdauer erwarteten 700 000 Besucher. Doch einen ganzen Tag musste jeder Besucher dafür schon einplanen, allein die Wartezeit vor dem Eingang betrug auch an Werktagen bis zu drei Stunden.

„Maria Stuart“, Wolfgang-Borchert Theater Münster (2009)

Das Wolfgang Borchert Theater ist eines der ältesten privaten Theater in Deutschland. 1959 gegründet, konnte das Profil des Theaters mit seinem festen Ensemble zur Spielzeit 2006/2007 durch den Intendantenwechsel (Regisseur und Schauspieler Meinhard Zanger aus Köln) hin zu einer literarisch orientierten Kammerspiel-Bühne geschärft werden.

Natürlich durfte im Schillerjahr 2009 ein Stück des deutschen „National“-Dichters nicht fehlen. Intendant Zanger entschied sich für eines der brillantesten und spannendsten Stücke Friedrich Schillers: „Maria Stuart“. Zanger, der auch die Regie übernahm, akzentuierte in seiner auf sieben Rollen reduzierten Fassung die politischen und juristischen, die öffentlichen und privaten Aspekte des Trauerspiels und trotzt Schillers Gender-Diskurs eine neue Lesart ab. Auf einer drehbaren Bühne fand Zanger in seiner Inszenierung zahlreiche Verweise auf aktuelle politische Ereignisse (Guantanamo) und trieb seine beiden Hauptdarstellerinnen Nora Düding (Maria Stuart) und Stefanie Mühle (Elizabeth I.) zu beeindruckenden Höchstleistungen an.

„Oldboy“ von Park Chan-wook, Südkorea (2003)

Nachdem Regisseur Park Chan-wook dem koreanischen Kino im Jahr 2000 mit seinem Meisterwerk „Joint Security Area“, kurz „JSA“, über Nacht zu Weltruhm verhalf und durch den Erfolg an den Kinokassen rund um den Globus im Alter von nur 37 Jahren seine Rente bereits zusammen hatte, war das nur der Grundstein für eine bis heute beeindruckende Karriere.

Kaum einer der cinephilen Besucher auf einem der vielen, immer populärer werdenden koreanischen Filmfestivals hätte geahnt, dass es nach „JSA“ im Genre des Action-Dramas noch besser ginge. Doch nur drei Jahre später kam dieser Film über einen 15 Jahre in einem Zimmer inhaftierten Kleinkriminellen: „Oldboy“. Die Verfilmung dieser verzwickten Geschichte, die lose auf einem gleichnamigen japanischen Comic basiert, war mit Sicherheit einer der außergewöhnlichsten und extremsten Filme des Kinojahres 2003. Der mittlere Teil von Parks weltweit gefeierter Rache-Trilogie – nach „Sympathy for Mr. Vengeance“ (2002) und vor „Sympathy for Lady Vengeance“ (2005) – besticht vor allem durch starke Kampfszenen, exzellente Schauspielleistungen, eine famose Kameraführung und eine Erzählstruktur, deren Clou es mit vielen Filmen aus Hollywood nicht nur aufnehmen kann, sondern diese sogar wie erste Entwürfe talentierter Filmhochschulabsolventen aussehen lässt. Auch nach mehrmaligem Anschauen verursacht dieser Film bei mir immer wieder Gänsehaut.