Quo vadis 2012/2013, SC Preussen Münster?

Spielszene SC Preussen Münster14 Spiele, 29 Punkte, Tabellenplatz 1 in der dritten Liga. Und das in der zweiten Saison nach dem Aufstieg. Wer hätte das zu Beginn dieser Saison gedacht? Vor allem nach den Vereins-internen Querelen zu Beginn des Jahres? Sicher nicht einmal die optimistischsten Fans des SC Preussen Münster. Zufall? Glück? Wie ist der hervorragende Tabellenplatz der Preussen einzuordnen? Alles nur ein Höhenflug? Der Turbo der Aufstiegseuphorie? Oder reicht es am Ende gar für den Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse? Will man ehemaligen Leistungsträgern wie beispielsweise Stürmerstar Sercan Güvenisik Glauben schenken (siehe Twitter-Meldung, unten rechts) oder den zahlreichen “Edel-Supportern” (u.a. Ex-Handelsblatt Mitarbeiter Thomas Knüwer) dann ist das Thema Aufstieg kein Hirngespinst mehr. Bisher halten sich jedoch die Verantwortlichen mit Formulierungen rund um das Thema zurück.

Twitter Statement Sercan Güvenisik zum SC Preussen MünsterWer das Spiel gegen die ähnlich starken Kickers aus Offenbach (zuletzt neun Mal ungeschlagen!) am Samstag im Stadion an der Hammer Straße gesehen hat, der war zunächst erzürnt ob der Leistungen des schwachen Schiedsrichters, der den Preussen die drei möglichen und verdienten Punkte mit einem unberechtigten Handelfmeter aus den Händen gerissen hatte. Später jedoch durfte man als Fan sehr zufrieden sein von der Leistungsbereitschaft der Adlerträger, die Marschroute des Trainers perfekt umgesetzt zu haben. Das Vorhaben des Tabellenführers, Freistöße in der eigenen Hälfte aufgrund der Standard-Stärke der Offenbacher zu vermeiden, ging zwar nicht immer auf, aber die baumlangen Gegner fanden im Großen und Ganzen nur selten den Weg in die Strafraumnähe der Preußen.

Nach dieser starken Leistung, vor allem nach dem Gegentreffer, will ich mich mittlerweile einreihen in die Riege der oben genannten Optimisten, die das Thema Aufstieg bisher  öffentlich in den Mund genommen haben. Warum? Das Mannschaftsgefüge der Preußen aus älteren und jüngeren Spielern scheint perfekt zu harmonieren. Taktisch clevere Aufstellungen wie beim 4:0-Sieg gegen den Aufstiegs-Mitkonkurrenten aus Bielef… oder das starke 5:2 Zuhause nach einem Rückstand gegen die “Kogge” aus Hansa Rostock sprechen zudem für eine funktionierende Bindung zwischen Mannschaft und Trainer Pavel Dotchev. Überhaupt scheint der offensiv ausgerichtete Stil des Trainers (nach Erfolgen mit Paderborn) auch in Münster zu funktionieren. Dafür dürften nicht zuletzt die starken Leistungen der Offensiv-Kräfte Amaury Bischoff (5 Tore) und vor allem Matthew Taylor (9 Tore) verantwortlich zeichnen.

Gibt es jetzt in der entscheidenden Phase (mit DFB-Pokal Spiel gegen Augsburg und den Liga-Spielen gegen Karlsruhe und Chemnitz) keinen Einbuch, bleiben die Leistungsträger Torwart Daniel Masuch, Kapitän Kühne, Patrick Kirsch, Jens Truckenbrod und vor allem Matthew Taylor gesund, funktioniert die Korrespondenz zwischen Mannschaft und Trainer weiterhin so reibungslos, wird der SC Preußen Münster in der nächsten Saison vielleicht in der zweiten Fußball-Bundesliga spielen. Das wäre eine Ding! Aber zunächst steht nicht nur das schwere Spiel gegen die Bundesligisten aus Augsburg auf dem Programm. Wieder so ein möglicher Wendepunkt in der immer rosiger strahlenden Historie des SCP. Ich drück´ jetzt schon einmal die Daumen!

Und weil es so schön war, die Fans beim DFB-Pokalsieg über den SV Werder Bremen:

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Wieder einmal Chaos beim SC Preussen Münster

Screenshot Voting Marc FascherWas ist da eigentlich wieder los, fragt sich der Fußballfan des SC Preußen Münster in diesen Tagen. Alles schien doch in bester Ordnung zu sein? Ein neuer Trainer, beliebt bei den Fans, führt eine neu zusammengewürfelte Truppe in die nächst höhere Spielklasse. Ein Vorstand feiert, der Verein feiert, eine Stadt feiert. Niieee meeehr vierte Liga! Und damit nicht genug klettert diese Truppe, angeführt von einem gewieften Taktiker, die Tabelle in der dritthöchsten Spielklasse hinauf bis auf Platz 8. 32 Siege, 20 Remis und 15 Niederlagen in 67 Spielen. Als Aufsteiger. Winterpause. Nur wenig später dann das Unvorstellbare: Die Aufstiegseuphorie ist längst verflogen, der Trainer wird nach dem ersten Spiel in der Rückrunde von seinen Aufgaben entbunden. Er hatte sich zuvor bei seinen Fans bedankt. Am 12. Januar hatte Marc Fascher, so der Name des Erfolgstrainers, seinen Abschied zum Ende der Saison verkündet. Nur 11 Tage später wird er entlassen.

Aufhören, dann, wenn es am schönsten ist. Hatte er das noch in der Winterpause gedacht? Nein, so einfach ist es nicht. So einfach kann es sich ein Trainer nicht machen, dem die meisten (Spieler-)Wünsche zuvor von den Augen abgelesen wurden. Wer den Hanseaten Marc Fascher kennt – und ich hatte das Vergnügen, den sympathischen Trainer in der Zeit vor, während und kurz nach dem Aufstieg in die dritte Liga einige Male interviewen zu dürfen, – der weiß, dass Herr Fascher zu seinem Wort steht. Also muss der Bruch mit dem Verein andere Ursachen haben. Die langjährigen Fans, die in zahlreichen Foren ihren Unmut über die angebliche “Flucht” des Trainers freien Lauf ließen, hatten den oder vielmehr die Verantwortlichen für diese Entscheidung längst ausgemacht: den Vorstand. Das Verhältnis zu Sportvorstand Carsten Gockel, Faschers erstem Ansprechpartner, war seit Wochen gestört. So hieß es aus engen Kreisen der Fanklub-Szene. Und auch das Verhältnis zum Vereinsvorstand, besonders zu den Personen Thomas Bäumer, dem mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Dr. Marco de Angelis, soll nicht das beste gewesen sein.

Nach der Posse um den nachweislich professionell arbeitenden, ehemaligen Trainer des SCP, Roger Schmidt (jetzt erfolgreich mit dem SC Paderborn, Platz 5 in der zweiten Liga) im letzten Jahr, wurde erneut ein von den Fans geliebter Trainer vom Vorstand geschasst. Da fragt sich doch der Fußballfan, ob man in Münster überhaupt als Trainer in Ruhe arbeiten kann? Meine Antwort auf diese Frage nach einigen Erfahrungen mit allen Beteiligten ist: Eine produktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand ist in dieser Zusammensetzung in Münster anscheinend nicht möglich. Und wenn sich in nächster Zeit auch auf Seiten des Vorstandes keine Veränderungen ergeben, hat der SCP einen großen Fan verloren. Da passt es hervorragend ins Bild, dass der Vorstand ein lange geplantes Treffen mit den eigenen Fans für den kommenden Dienstag kurzerhand abgesagt hat. Krisenbewältigung sieht anders aus. Mit großer Sicherheit werden in nächster Zeit weitere Fans ihren Unmut (leider) auch auf anderem Wege Luft machen wollen. Dem neuen Trainer sollte man viel Glück und vor allem viel mehr Selbstbewusstsein wünschen.

P.S.: Nachtrag (24.01.) Der neue Trainer heißt Pavel Dotchev. Mit ihm wurde bereits am vergangenen Sonntag verhandelt. Ein Tag vor der Entlassung des Trainers Marc Fascher. Willkommen in Münster!

Quo Vadis, SC Preussen Münster?

Marc Fascher, Trainer des SCP

Foto: SC Preussen Münster

Angesprochen auf die gute Frühform ihrer Mannschaft zu Beginn einer Saison reagieren Fußballer, Trainer und Verantwortliche oftmals sehr reserviert bis hin zu verärgert. Fragen wie “Führt der Weg zur Meisterschaft nur über..” oder “Ist die gute Form der Mannschaft nicht beängstigend?” werden nicht selten mit schroffen Kommentaren wie “Ach, ihr von den Medien..” oder “Den wievielten Spieltag haben wir heute?” quittiert. Und mit was? Mit Recht. Vor, während oder nach den ersten fünf Spieltagen einen möglichen Saisonausklang herbeizureden, dürfte wohl nur den unerfahrensten Sportkommentatoren passieren. Im Fernsehen arbeiten diese “KollegInnen” nicht selten für die Sendergruppe RTL und in Münster für die Münstersche Zeitung.

Trainer Marc Fascher vom Aufsteiger SC Preußen Münster reagiert auf solche oder ähnliche Fragen sehr gelassen. Das kann er auch.

Fußballstadion Osnabrück

Osnabrück gegen den SCP. (Foto: C. Gertz)

Der SCP liegt nach dem zehnten Spieltag in der dritten Liga auf dem fünften Tabellenplatz. Eine Überraschung? Nicht für Fascher. “Wenn wir als Mannschaft funktionieren, dann haben wir gegen jeden Gegner eine Chance“, lautet Faschers zentrale These. Ich bin da nicht so euphorisch. Vor allem die Begegnung in Osnabrück hat gezeigt, dass die Mannschaft in Drucksituationen sehr verhalten, ja geradezu ängstlich reagiert. Und die richtig schweren Gegner kommen erst noch. Spielte die Mannschaft zu Beginn der Saison vielleicht weit über ihrem Niveau? Das werden die nächsten Begegnungen zeigen.

Das große Glück der Preußen in dieser Saison 2011/2012 ist, dass die Liga sehr ausgeglichen ist. Bleibt zu hoffen, dass Spitzenkräfte wie Güvenisik, Patrick Kirsch, Clement Halet oder Ornatelli weitestgehend von Karten verschont und gesund bleiben. Dann können sie sich vielleicht wirklich im oberen Drittel der Tabelle behaupten. Und erst dann wird man vielleicht einmal nachfragen dürfen, wohin die Reise am Ende gehen könnte.

 

Rückschlag im Titelkampf für den SC Preußen Münster

Tribuene Lotte Spiel gegen den SC Preussen Muenster 2011

Tribüne in der Solartechnics-Arena in Lotte (Photo: C.Gertz)

Lotte, durchschnittlich 364 Einwohner verlieren sich an der Grenze zu Niedersachsen auf einer Fläche von einem Quadratkilometer. Insgesamt beträgt die Bevölkerung des Ortes 13.720 Einwohner, inklusive derer aus den vier weit verstreuten Gemeinden. Lotte ist der kleinste Ort in der Regionalliga West. Regionalliga? Richtig. Sportlich sieht das Bild des Ortes am Autobahnkreuz nicht nach Dorfjugend aus. Durch finanzstarke Investoren hat sich der örtliche Fußballverein, der sich Sportfreunde Lotte nennt, im Laufe der letzten Jahre eine spielstarke Mannschaft zusammengekauft. Die Fluktuation ist hoch, es ist ein Kommen und Gehen, allein drei Neuzugänge kamen in der Winterpause 2010/2011. Im Mai 2011 soll der Aufstieg in die dritte Liga endlich klappen. Auch der Trainer ist hungrig. Maik Walpurgis heißt er. Ein Rotschopf, Ex-Trainer von Arminia Bielefeld, ein Spielfeldrandgestikulierer.

Ganz anders der härteste Konkurrent und Rivale der Spielzeit 2010/2011: Der SC Preußen Münster. Bundesligagründungsmitglied, 260.000 Einwohner-Stadt, davon 75.000 Studierende. Der Zuschauerschnitt im 15.000 Zuschauer fassenden Stadion am Berg Fidel in Münster: 4.500. Und in Lotte? Hier konnte der Schnitt in 2010 mit Mühen und zahlreichen Flyern auf 1.300 gesteigert werden. Sponsoren-Freikarten mitgezählt. Und ganz nebenbei, die Sponsoren in Lotte sind stolz über ihr Engagement bei den Sportfreunden. So stolz, dass sie es anhand überdimensionaler Werbe- und Firmenlogos auf einer 70 mal 6 Meter hohen Betonmauer direkt hinter dem Tor demonstrativ zur Schau stellen.

Sponsorenwand in der Solartechnics-Arena in Lotte

Sponsorenwand in der Solartechnics-Arena in Lotte (Bild: C. Gertz)

Das Aufeinandertreffen dieser unterschiedlichen Mannschaften aus diesen ungleichen Städten birgt Zündstoff. Jedes Jahr aufs Neue. So auch am 12 März 2011. Während die wenigen Fans und Sponsorengäste aus und in Lotte noch darüber rätselten, wie dieser neue Sponsor mit den blauen zusammenfaltbaren Pappfächern heißt, haben sich über 2.500 Gäste aus Münster bereits seit Minuten warm gesungen. Vorsichtig separiert, eingerahmt von einem mannstarken Polizeiaufgebot. „Barbra Streisand“ dröhnt es aus den Boxen, „Hey Jaa, Ess Cee Pee“ von der Gegengeraden. Ein Sieg über den “Dorfverein aus dem Norden” ist beim Favoriten aus Münster fest eingeplant. Selbst die blaubeschalten Fans der Sportfreunde glauben heute nicht an ein Wunder.

Doch der haushohe Favorit aus Münster gibt sich zu Beginn zurückhaltend. Das merken die Sportfreunde sofort. Mit kurzen Pässen wird die Vierer-Abwehrkette der Preußen gekonnt überlistet. Viel zu oft (8. und 13. Minute) tauchten die großen Stürmer aus Lotte gefährlich nah vor dem Tor von Preußentorwart David Buchholz auf. Was war los mit den Preußen? Die gefürchtete Offensiv-Power wollte nicht so recht zünden. Vor allem der erfahrene Dogan schien wie neben der Spur. Nicht die Preußen, die Sportfreunde aus Lotte bestachen fortan durch Leidenschaft und Biss. Vor allem waren sie viel aggressiver in den Zweikämpfen. “Das war der ausschlaggebende Punkt”, meinte ein enttäuschter SCP-Trainer Marc Fascher nach dem Schlusspfiff.

Jubel Feude Tor Lotte gegen Muenster Maerz 2011

Die Fuehrung der Lotteraner in der 49. Minute (Photo: C. Gertz)

Aggressivität in den Zweikämpfen hin oder her, die Preußen hatten es an diesem sonnigen Märzsamstag nicht verstanden, ihre spielerische Überlegenheit auszuspielen. Der Preußen-Offensivpower (mit zahlreichen hohen Bällen in die Spitze) wurde bereits am 16er durch die baumlangen Verteidiger aus Lotte der Wind aus den Segeln genommen. Frust machte sich breit. Und dieser übertrug sich auf die Ränge im Stadion. Der Stadionsprecher zitierte ein ums andere Mal die Polizei in den Zuschauerblock und versuchte, für Ruhe zu sorgen. Ganz ungemütlich wurde es, als ausgerechnet Lotteraner Rechtsverteidiger Tobias Willers einen verlängerten Freistoß von Czyszczon quer in die Mitte bekam, wo er völlig frei bereitstand und in der 49. Minute zum verdienten 1:0 einköpfte.

Damit schien bei den Preußen eine Art Schockstarre einzusetzen, die bis zum Schlusspfiff anhalten sollte. Sturm und Drang in der Solartechnics-Arena? Fehlanzeige. 5.304 Zuschauer sahen am Ende einen verdienten Sieger. Und der hieß Sportfreunde Lotte. Das freute die wenigen Anhänger aus Lotte so sehr, dass sie erstmalig an diesem Tag gegen Ende der Partie lauter waren als die über 2.500 Anhänger aus Münster. Ob es ein weiteres Aufeinandertreffen dieser beiden Mannschaften gibt? Mit dieser Leistung der Preußen, in der nächsten Saison ganz sicher. Und die Sportfreunde aus Lotte, so pfeiffen es die Sponsoren von den Dächern, sind in der vierten Liga auch ganz gut aufgehoben.

8 Gründe, warum Preußen Münster aufsteigen wird

Trainer Marc Fascher Stürmer Güvenisik SC Preussen Muenster

So wollen sie am Ende wieder jubeln: Trainer Fascher, Stürmer Güvenisik, (Bild: SC Preussen Münster)

In den Foren, auf der Homepage des Vereins und auf den Fanblogs ist es zur Zeit seltsam ruhig. Was ist los beim SC Preussen Münster? Ist es die Ruhe vor dem Sturm? Zunächst ein kurzer Blick zurück. 2006. Der einhundertste Geburtstag des Vereins. Faktencheck. Regionalliga Nord. Niederlage im Abstiegsspiel gegen den Wuppertaler SV: Viertklassigkeit. Fünf neue Trainer in den zurückliegenden zwei Jahren. Dann der Aufbruch. 2007, ein neuer Trainer. Qualifikation für die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals. Die knappe Niederlage gegen den VFL Bochum im Elfmeterschießen. Im nächsten Jahr das gleiche Bild. Aber mit neuer Haupttribüne. Aufstiegsambitionen. Tolles Spiel in der 1. Runde des DFB-Pokals, aber wieder eine Niederlage, diesmal gegen den Bundesligisten Hertha BSC, vor 18.000 Zuschauern. In der Saison 2009/10 ohne Aufstiegschancen. Das junge Konzept mit Roger Schmidt/Carsten Gockel will nicht greifen. Mehr Geld vom Sponsor. Jetzt mit neuem Trainer Marc Fascher, seit März 2010 im Amt.

Wer Fan des SC Preußen ist, musste in den letzten Jahren leiden können. Drei DFB-Pokal-Hauptrunde-Teilnahmen, drei knappe Niederlagen (zuletzt ein knappes 1:2 gegen den VFL Wolfsburg). Und zu Beginn einer jeden neuen Saison gibt es neue Hoffnungen. Aufstieg? „In diesem Jahr ganz sicher“, ertönte es in jährlicher Regelmäßigkeit aus der Chefetage. Doch in diesem Jahr, in der Saison 2010/2011 ist alles anders.

Die professionellen Strukturen beim SC Preußen Münster wurden für die neue Spielzeit in der Breite ausgebaut. Was in den Jahren zuvor FSJler bzw. Studenten erledigten (und davon hat die Stadt eine ganze Menge), wurde in professionelle Hände gelegt (Stichwort: Nullsechs.tv). Trainer Marc Fascher, ein Glücksfall für den Verein, weiß, wie man Meisterschaften gewinnt. Das hat er bereits erfolgreich in Emden und Jena bewiesen. „Spiele werden im Sturm entschieden, Meisterschaften mit einer guten Abwehr“, so sein Credo. Und Faschers Defensiv-Taktik geht auf. In Zahlen heißt das, 16 Liga-Spiele, 33 Punkte, 24:12 Tore. Die wenigsten Gegentore der Liga. Oder, noch aktueller, in sechs Testspielen ließ der SC Preußen nur zwei Gegentore zu, verlor keine Partie. In der Hinrunde der Spielzeit 2010/2011 musste sich die neu formierte Mannschaft erst finden. Dennoch hieß es zur Winterpause: Platz 2. Und das mit nur 16 Spielen.

Hier sind acht gute Gründe, warum der SC Preußen Münster am Ende der Saison 2010/2011 in die dritte Liga aufsteigt.

1. Der neue Trainer Marc Fascher. Bereits bei seinen vorherigen Trainerstationen in Emden und Jena hat der ehemalige Verteidiger aus Hamburg bewiesen, dass mit der Aufstellung und der Durchsetzung eines eigenen Konzeptes am Ende durchaus Erfolg stehen kann. Fascher brachte Ordnung in die Mannschaft. Parallelen zu Kollegen aus der Bundesliga (Van Gaal) sind sicherlich nicht rein zufällig..

2. Die Vereinsführung. Sie steht geschlossen hinter dem Trainer. Nach der Trennung vom beliebten Trainer Roger Schmidt Anfang 2010 hat sich Manager Carsten Gockel mehr und mehr aus der sportlichen Führung zurückgezogen. Kein Platz mehr auf der Trainerbank, nur wenige Stellungnahmen in den Medien. Der Trainer kann schalten und walten. Wie es nicht laufen sollte, ein Negativbeispiel in punkto Machtspielchen zwischen Trainer, Vorstand und Manager erleben wir gerade beim deutschen Rekordmeister.

3. Die starke Defensive. Mit Neuverpflichtungen wie Halet, Duah oder Huckle hat Trainer Marc Fascher die Mannschaft gerade auf den defensiven Positionen enorm verstärkt. Wird zur Rückrunde auch der starke David Fall wieder fit, dürfte es für die gegnerischen Angreifer kein Vorbeikommen geben. Und nur 12 Gegentore sprechen eine deutliche Sprache.

4. Die Raute Dogan, Kara, Chitsulo, Güvenisik. „Jeder Trainer in der Regionalliga kann froh sein, wenn er Offensivspieler wie Kara oder Güvenisik in seiner Mannschaft hat“, so Trainer Fascher zu Beginn der Saison 2010/2011. In dieser Zusammensetzung hat die Raute mehr als 2/3 aller Spiele absolviert. Wenn zudem ein Überraschungsspieler wie Chitsulo die meisten Tore macht, dürfte diese Einheit in der Rückrunde nur schwer zu knacken sein.

5. Die gute Mischung. Die Mannschaft ist im Schnitt 27 Jahre alt. Viele ältere Spieler (Fall, Kirsch, Özkara) wollen noch einmal angreifen. Ihre Erfahrung wird für das wichtige Ziel Aufstieg Gold wert sein. Und die jüngeren Spieler würden gerne ihrem ehemaligen Kollegen Jens Wissing (jetzt Borussia Mönchengladbach) nacheifern und sich für größere Mannschaften empfehlen. Das geht natürlich am besten mit einem Aufstieg.

6. Die ernst gemeinten Planungen für die dritte Liga. Dass die dritte Liga bereits im Visier der Verantwortlichen ist, zeigen nicht nur die Gespräche der Politiker der Stadt mit der Vereinsführung des SC Preußen Münster. SPD-Fraktionschef Wolfgang Heuer, ein langjähriger und “ehrgeiziger” Fan des Vereins hält den Aufstieg für “wünschenswert”, CDU-Oberbürgermeister Markus Lewe will “alles dazu beitragen, dass die Preußen in die dritte Liga kommen.”

7. Die Fans. Obwohl in den letzten Jahren nicht immer „eitel Sonnenschein“ herrschte innerhalb der diversen Fangruppierungen, sind vor allem die gegnerischen Fans bei jedem Auswärtsspiel stets ehr angetan von den Anfeuerungen und Schlachtgesängen der Adler-Fans. Die Rückrunde wird zeigen, dass die Preußenfans der wichtigen Aufgabe des “dreizehnten Mannes” durchaus gewachsen sind.

8. Die Schwäche der gegnerischen Mannschaften. Zu Beginn der Saison hatten viele Regionalliga-West-Trainer die starken zweiten Mannschaften von Köln, Schalke und Co sowie auch die im Vorjahr starken Lotteraner auf dem Zettel. Viele Trainer vermuteten Verstärkungen aus den ersten Mannschaften. Doch Leistungen von beispielsweise Lustlos-Profi Albert Streit (Schalke II, nur Platz 10) oder den Bundesliga-Profis Adil Chihi / Cullmann in Köln (nur Platz 7) geben keinen Anlass zur Sorge. Lotte hat sich zudem in der Winterpause noch verstärken müssen.

Trotz dieser guten Aussichten kann natürlich am Ende alles ganz anders aussehen. Es darf keine Verletzungen und Streitereien im Mannschafts- bzw. Vorstandsgefüge geben. Aber dazu gibt die aktuell gute Laune der Mannschaft und der Verantwortlichen keinen Anlass. Nach fünf mageren Jahren haben die Fans und die Verantwortlichen Erfolgserlebnisse bitter nötig – und sicherlich auch verdient. Spielen jetzt noch die Medien und auch die Zuschauer mit, steht dem Aufstieg des SC Preußen Münster im Mai 2011 nichts im Wege. Das meinen auch 60 Prozent der LeserInnen der Westfälischen Nachrichten. Am kommenden Mittwoch, 28.01.2011 heißt der erste wichtige Gegner Fortuna Düsseldorf. Drücken wir den Adlerträgern die Daumen!