Zero Emission. Verzicht? Fehlanzeige! Ein Fahrbericht.

Renault Kangoo Z.E.Als die ersten Großserienhersteller mit Elektroautos experimentierten fuhr ich Golf 1. Vierzylinder Diesel, 54 PS. Der brauchte je nach Fahrweise knapp sechs Liter auf 100 Kilometer. Der Liter Diesel kostete um die einszwanzig. D-Mark, nicht Euro. Ich kam damals mit meiner Freundin, meinem Golf und ein wenig Gepäck mit eineinhalb Tankfüllungen bis nach Paris und wieder zurück. `Das geht heute auch` werden jetzt vielleicht einige Golf-Fahrer denken. Und das stimmt vielleicht. Aber nicht für 90 D-Mark, was heute etwa 48 Euro entspricht.

Wer damals den immer reicher werdenden Öl-Multis die kalte Schulter zeigen und etwas für den Umweltschutz tun wollte, der musste entweder Fahrrad oder Bahn fahren. Umweltschutz beim Autofahren, das hieß früher Verzicht. Die Zeiten ändern sich. Der japanische Hersteller Toyota hatte Ende der 80er Jahre der Gleichung mit „schneller, größer, komfortabler“ auf der einen und „explodierende Treibstoffpreise“ auf der anderen Seite eine Idee entgegen gestellt. Und diese Idee trug den knappen Schriftzug „Hybrid“. Doch Verbrennung von Rohöl bleibt Verbrennung von Rohöl. Auch wenn mit einigen Elektromotörchen effizient nachgeholfen wurde und bis heute wird. Wer etwas mehr transportieren wollte/musste, der schaute in die (Verbrennungs-)Röhre.

Eines der ersten hier käuflichen Großserien-Elektroautos ist der Renault Kangoo Z.E. „Z.E.“ steht für Zero Emission. Äußerlich unterscheidet sich der Renault kaum von einem herkömmlichen Kangoo. Auch er strahlt den Charme eines bürgerlichen Handwerkers aus. Tag für Tag scheint er klaglos das Handwerkszeug seines Meisters aufzunehmen und es ebenso klaglos durch die Gegend zu bewegen. Mit seinem großen Rucksack will er sagen: Was soll´s? Der Alltag muss halt gewuppt werden, dafür braucht man keinen Porsche. Der Z.E. hat alles, was man dafür benötigt. Zwei Sitzplätze, große Ladefläche, Airbags, Bremsassistent. Elektrische Fensterheber! Klimaanlage!! Schluss mit Angstschweiß und Askese: Da steht ein vollwertiges Transportfahrzeug.

Gut, der Z.E. kostet mehr als das Basismodell eines VW T5 TDI Transporters mit 140 PS. Aber dafür kommt man mit Strom für vier Euro über 100 Kilometer weit. Und der ohnehin hervorragende CO2-Wert wird kaum berechenbar, tankt man Ökostrom. Die DVV GmbH aus Münster, deren stolzer freier Mitarbeiter ich sein darf, produziert ihren Strom (nicht nur dafür) selbst. Weitere Infos dazu gibt es auf der eigenen Facebook-Seite oder in den regelmäßigen „Presseausweisen“ des Geschäftsführers Arno Tilsner in der Wochenzeitung nadann….

Nach einer ersten Probefahrt mit dem Kangoo Z.E. muss ich gestehen, dass ich noch nie so ein reines Gewissen hatte, einen PKW durch die Stadt zu bewegen. Und nicht nur mein Gewissen blieb entspannt, auch mein Gemüt. Wer sich in ein Elektroauto setzt, den Schlüssel dreht und die Automatik auf „D“ stellt, der hört zunächst einmal nichts. Rein gar nichts. Nur das Abrollgeräusch der Reifen. Ein tolles Gefühl. Wellness auf vier Rädern.

Diese Entspannung, so über Land und durch die Stadt „gleiten“ zu können, überträgt sich zwangsläufig auf den Fahrstil. Dieser bleibt eher defensiv. Hat der auditive Sinn (durch das fehlende Motorgeräusch) erst einmal Pause, wollen die übrigen Sinne gefordert werden. Dem Auge wird – abgesehen von der fast lautlos im wahrsten Sinne des Wortes vorbeizischenden Landschaft im Kangoo Z.E. – nur wenig geboten. Innenraum Kangoo Zero EmissionDer Innenraum ist dem französischen Retro-Futurismus gewidmet. Innen haben die Designer diverse Plastikarten und Oberflächen übereinander geschoben, eher schwarz, nüchtern, vielleicht wie ein schlichtes Notebook. Der Gesamteindruck ist kühl, aber von einem aufklappbaren Rechner würde man ja auch kein atemberaubendes Interieur erwarten. Warum also von einem französischen Elektroauto?

Im Blick beibt die kleine Anzeige in der Mitte, die von den Skalen zum Stromverbrauch rechts und zur „Energie-Restmenge“ links flankiert wird. Die elektronische Anzeige des Bordcomputers gibt nicht nur zahlreiche Daten über Verbrauch, Restmenge und Temperatur wieder, sie wird während der Fahrt zum Freund, Feind und Gegner. Um nicht nach den versprochenen 150 Kilometern (in der Realität eher 90 Kilometern) wieder an die Steckdose zu müssen, versucht der Fahrer des Elektro-Transporters den Countdown auf der Anzeige in der Mitte mit allen erdenklichen Tricks zum Stoppen oder vielleicht nur zu einer kleinen Pause zu überreden. Erst wird der Eco-Modus eingeschaltet, dann Heizung, Klima und Radio aus, bis man schließlich doch vor diesem Gegner kapituliert. Nichts ist unbarmherziger als die Anzeige in einem Elektroauto. Und jedem Fahrer sollte klar sein, dass ein Wert in der Anzeige im einstelligen Bereich, sei es bei der Batterierestmenge oder bei den Restkilometern wie ein Warnsignal im Ohr ist. Dann heißt es: Schnell nach Hause! Aufladen! Aber zu diesem Zeitpunkt hat man dann im besten Fall 80 geräuschlose Kilometer hinter sich gebracht. Ohne Co2-Rückstände, ohne Rußpartikel. Ein tolles Gefühl.

P.S. Wann kommen endlich die Kaufanreize für Elektroautos in Deutschland?

 

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Wieder einmal Chaos beim SC Preussen Münster

Screenshot Voting Marc FascherWas ist da eigentlich wieder los, fragt sich der Fußballfan des SC Preußen Münster in diesen Tagen. Alles schien doch in bester Ordnung zu sein? Ein neuer Trainer, beliebt bei den Fans, führt eine neu zusammengewürfelte Truppe in die nächst höhere Spielklasse. Ein Vorstand feiert, der Verein feiert, eine Stadt feiert. Niieee meeehr vierte Liga! Und damit nicht genug klettert diese Truppe, angeführt von einem gewieften Taktiker, die Tabelle in der dritthöchsten Spielklasse hinauf bis auf Platz 8. 32 Siege, 20 Remis und 15 Niederlagen in 67 Spielen. Als Aufsteiger. Winterpause. Nur wenig später dann das Unvorstellbare: Die Aufstiegseuphorie ist längst verflogen, der Trainer wird nach dem ersten Spiel in der Rückrunde von seinen Aufgaben entbunden. Er hatte sich zuvor bei seinen Fans bedankt. Am 12. Januar hatte Marc Fascher, so der Name des Erfolgstrainers, seinen Abschied zum Ende der Saison verkündet. Nur 11 Tage später wird er entlassen.

Aufhören, dann, wenn es am schönsten ist. Hatte er das noch in der Winterpause gedacht? Nein, so einfach ist es nicht. So einfach kann es sich ein Trainer nicht machen, dem die meisten (Spieler-)Wünsche zuvor von den Augen abgelesen wurden. Wer den Hanseaten Marc Fascher kennt – und ich hatte das Vergnügen, den sympathischen Trainer in der Zeit vor, während und kurz nach dem Aufstieg in die dritte Liga einige Male interviewen zu dürfen, – der weiß, dass Herr Fascher zu seinem Wort steht. Also muss der Bruch mit dem Verein andere Ursachen haben. Die langjährigen Fans, die in zahlreichen Foren ihren Unmut über die angebliche “Flucht” des Trainers freien Lauf ließen, hatten den oder vielmehr die Verantwortlichen für diese Entscheidung längst ausgemacht: den Vorstand. Das Verhältnis zu Sportvorstand Carsten Gockel, Faschers erstem Ansprechpartner, war seit Wochen gestört. So hieß es aus engen Kreisen der Fanklub-Szene. Und auch das Verhältnis zum Vereinsvorstand, besonders zu den Personen Thomas Bäumer, dem mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Dr. Marco de Angelis, soll nicht das beste gewesen sein.

Nach der Posse um den nachweislich professionell arbeitenden, ehemaligen Trainer des SCP, Roger Schmidt (jetzt erfolgreich mit dem SC Paderborn, Platz 5 in der zweiten Liga) im letzten Jahr, wurde erneut ein von den Fans geliebter Trainer vom Vorstand geschasst. Da fragt sich doch der Fußballfan, ob man in Münster überhaupt als Trainer in Ruhe arbeiten kann? Meine Antwort auf diese Frage nach einigen Erfahrungen mit allen Beteiligten ist: Eine produktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand ist in dieser Zusammensetzung in Münster anscheinend nicht möglich. Und wenn sich in nächster Zeit auch auf Seiten des Vorstandes keine Veränderungen ergeben, hat der SCP einen großen Fan verloren. Da passt es hervorragend ins Bild, dass der Vorstand ein lange geplantes Treffen mit den eigenen Fans für den kommenden Dienstag kurzerhand abgesagt hat. Krisenbewältigung sieht anders aus. Mit großer Sicherheit werden in nächster Zeit weitere Fans ihren Unmut (leider) auch auf anderem Wege Luft machen wollen. Dem neuen Trainer sollte man viel Glück und vor allem viel mehr Selbstbewusstsein wünschen.

P.S.: Nachtrag (24.01.) Der neue Trainer heißt Pavel Dotchev. Mit ihm wurde bereits am vergangenen Sonntag verhandelt. Ein Tag vor der Entlassung des Trainers Marc Fascher. Willkommen in Münster!

Literaturbegegnung mit Friederike Mayröcker

Plakat zur Literaturbegegnung mit Friederike Mayröcker

Plakat vor den Städt. Bühnen Münster (Foto: C.Gertz)

Ein Kommentar. Es ist ein Graus, mit welch zweifelhaftem Erfolg sich die Entscheidungen einiger weniger für immer mehr Verzicht einer größeren Masse verantwortlich zeichnen. Das lässt sich derzeit nicht nur in den südlichen Ländern Europas ablesen. Richten wir den Fokus weg von “Bunga, Bunga” und verengen ihn. Vom Land in die Stadt. Von der Stadt in die Szene. Nehmen wir das Beispiel “Kultur in Münster”. Unbestritten ist, dass nicht nur die Dichte sondern auch der Output der Kultur in der Westfalenmetropole und Studentenstadt Münster eine der höchsten des Landes sind.

Unter Theaterfreunden genießen die städtischen und freien Ensemble der zahlreichen Theater der Stadt einen sehr guten Ruf. Und auch Musikliebhaber erfreuen sich an der Qualität “ihres” Sinfonieorchesters oder der zahlreichen Bands, die jeweils weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt sind. Ja, es soll in der Studentenstadt sogar kleine Theater-Ensemble geben, die gänzlich ohne städtische Kulturförderung auskommen. Welche Stadt kann das schon von sich behaupten?

Doch wo viel Glanz ist, fallen oft auch Schatten. Und wie in vielen anderen Bereichen stinkt auch hier der Fisch vom Kopf. Die Intendanten der Städtischen Bühnen in Münster, ein Kulturbetrieb übrigens, der im Jahr mit einer Finanzspritze von bis zu 22 Millionen Euro subventioniert wird, ließen es sich nicht nehmen, bekannte deutschsprachige Literaturgrößen nach Münster zu holen. Sie nannten diese Reihe zu Beginn der Spielzeit 2010/2011 stolz “Literaturbegegnungen“. Mit dieser Event-Reihe wurde jedoch keine Event-Agentur beauftragt (die eine vernünftige Kosten-Nutzen-Rechnung aufgestellt hätte), sondern diese honorigen Gäste wollte man lieber selbst nach Münster einladen. Ehre, wem Ehre gebührt! Koste es, was es wolle!

Die Ankündigungen für diese Literaturbegegnungen wurden weit gestreut und fanden sogar im Kulturkalender der ehrwürdigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung Beachtung. Eine kulturelle Veranstaltung in Münster, nachzulesen in der FAZ. Chapeau! Ziel erfüllt aber Kasse leer? Für die ganzseitigen Anzeigen, Werbebanner und Programmheftchen wurden selbstredend keine Kosten und Mühen gescheut. Natürlich erhielt ich auf meine Anfrage darüber keine Auskunft. Aber die Kosten dürften sich allein für die Werbung auf etwa 25.000 bis 30.000 Euro belaufen – pro Künstler natürlich.

Während für den ersten “Doyen der deutschen Literatur” (Zitat: Westfälische Nachrichten), Literaturnobelpreisträger Günter Grass, im November 2010 noch jeder verfügbare Stuhl ins Große Haus geholt werden musste (760 Plätze) und die Gewinn-Verlust-Rechnung damit noch weit weniger verheerend ausfiel (Karte: 25,- Euro), blieben beim zweiten Literaten, Martin Walser, zahlreiche Plätze im Großen Haus unbesetzt. Ein Affront gegen jedes journalistische Feingefühl war es zudem, sowohl letztere als auch die dritte Begegnung mit der Österreicherin Friederike Mayröcker als “gut besucht” oder “außerordentlich erfolgreich” zu beschreiben.

Die erste Begegnung mit der inzwischen 87-jährigen Frau Mayröcker musste zu allem Überfluss wegen einer Erkrankung im Juni verschoben werden. Der lange zuvor angekündigte Termin wurde kurzerhand auf Oktober 2011 neu angesetzt. (Bitte summieren Sie jetzt nicht die (doppelten) Kosten für den Werbeaufwand.) Damit bewegten sich die Ausgaben für die Literaturbegegnungen insgesamt sicherlich längst im sechsstelligen Bereich. Nach dem nur mäßigem Kartenverkauf für Frau Mayröcker wurde ihre Verkaufsshow (nichts anderes war die “Begegnung” mit Herrn Walser) ins Kleine Haus verlegt. An diesem Abend wollten gut 160 Literaturfans die Lyrikerin live erleben. Dazu schrieben die Kollegen, wie zum Beispiel ein Kollege der Westfälischen Nachrichten: “Dem Publikum, das zahlreich ins kleine Haus geströmt ist“. Zur Erinnerung, es waren rund 160!

Literaturbegegnung Friederike Mayröcker Städtische Bühnen Münster 2011Frau Mayröcker ließ es sich nicht nehmen, die zahlreichen Gäste, die ins Kleine Haus “geströmt” waren, erst einmal zehn Minuten warten zu lassen. Dann kam sie an der Hand von Klaus Kastberger, Literaturkritiker und –wissenschaftler an der Universität Wien, Mayröcker-Kenner und Duz-Freund und zusammen sollten sie ein “lockeres Gespräch” (ähnlich den vorangegangen Literaturbegegnungen) führen und zu guter Letzt die Prosaarbeit „ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk“ vorstellen.

Wer die Büchner-Preisträgerin und ihre Arbeit kennt, der weiß, wie kreativ und vielseitig die Wienerin mit der Sprache umgeht. Doch man sollte auch wissen, dass Frau Mayröcker keinen Mediengesetzen gehorcht und erst recht Live-Auftritte verabscheut. Was die 87-jährige also dazu veranlasst haben könnte, die lange Reise von Wien ausgerechnet nach Münster anzutreten, darüber dürften wohl nur die Verantwortlichen der Städtischen Bühnen in Münster Auskunft geben können. Die “Begegnung” in Münster ist laut ihrem Verlag (Surhrkamp) übrigens (neben einem Auftritt in Bremen im Januar) der einzige Auftritt im Jahr 2011 von Frau Mayröcker außerhalb Wiens geblieben.

Literaturbegegnung Friederike Mayröcker Städt. Bühnen Münster 2011Nach ein paar netten einleitenden Worten von ihrem Freund Kastberger las die “Weltliteratin” (O-Ton Städt. Bühnen Münster) Mayröcker aus ihrem aktuellen Werk vor. Ihre kurzen Bemerkungen machten deutlich, dass derzeit keine andere lebende Prosaistin das Wittgenstein`sche Diktum “Worüber man nicht sprechen könne, darüber müsse man schweigen” derart konsequent auslebt wie Friedericke Mayröcker. Nach etwa 20 Minuten verließ sie das erste Mal die Bühne. Nach einer fünf-minütigen Pause erwiderte sie die gewollt provozierenden Fragen ihres (zugegeben unterhaltsamen) Freundes mit kurzen Antworten und einem gequälten Lächeln. Es folgte eine weitere kurze Lesung (siehe Audiostream) und nach 45 Minuten war der Spuk vorbei. (Damit hatte Friederike Mayröcker die Lesestunde von Herrn Walser im Juni um exakt netto 20 Minuten unterboten). Daraufhin bot sich für die verdutzte Anhängerschaft die Gelegenheit einer “Signierstunde”. Und wer noch kein Buch dabei hatte, der konnte sich im reichlich bestückten “Bücher-Buffet” vor der Tür “bedienen”.

Es ist schade, dass mit derlei grobmotorischem Fingerspitzengefühl und sicherlich großen finanziellen Anreizen deutschsprachige “Doyen” der Literaturszene nach Münster gelockt wurden. Grass, Walser und Mayröcker “dankten” den Verantwortlichen mit groß angekündigten Signierstunden und beschämend kurzen Auftritten. Der nicht nur organisatorische sondern auch der finanzielle Aufwand steht hier in keinem adäquaten Verhältnis zum Gewinn. Über diese Ausgaben hätten sich das Sinfonieorchester oder das Theaterensemble sicherlich sehr gefreut. Bleibt zu hoffen, dass der neue Intendant Peters derlei “Ego-Spielereien” in Zukunft lieber zwei Mal durchkalkuliert. Die sehr kreative (freie) Kulturszene in Münster wird es ihm danken!

Audiostream_Literaturbegegnung_Friederike_Mayroecker

Atze Schröder revoltiert in Münster….

Plakat Comedian Atze Schroeder Plakat Revolution

Atze Schröder (Plakat Revolution, Atze-Schroeder.de)

Er ist die Kunstfigur, die sich Atze Schröder nennt. Markenzeichen: Lockenperücke und getönte Sonnenbrille. Seit zehn Jahren füllt der Comedian aus Westfalen bereits die Hallen in Europa. Sein Erfolgsgeheimnis? “Jeder Abend ist für mich wie ein Endspiel. Die Leute spüren, wenn man sie ernst nimmt.” Das konnten am Altweiber-Donnerstagabend auch knapp 3.000 Besucher in der ausverkauften Münsterlandhalle am Albersloher Weg in Münster erleben, die “ihren Atze” mit seinem neuen Programm “Revolution” zum vierten Mal im Münsterland begrüßen durften. Ein Heimspiel also für den Mittvierziger aus Emsdetten. 2 Stunden Atze Schröder, das sind zwei Stunden kunstvoll inszenierte Selbstreferentialität. Seine kritischen Betrachtungen über den Zustand der Republik beginnen häufig mit “Da komme ich in den Laden…” oder “Ich liebe diese Sendung“.

Die Lieblingsthemen des selbsternannten Service-Dienstleisters in Sachen Unterhaltung sind Figuren aus dem TV- und Showbusiness. Egal ob Verona Pooth (“Wer macht denn schon gerne Werbung für KiK? – Aber wer mit Franjo verheiratet ist braucht jeden Cent“), Sandy Meyer-Wölden (“Da war ich letztens bei Sandy und Pocher eingeladen und Sandy fragt mich, Atze, warum ärgerst Du mich andauernd?“) oder Boris Becker, bis auf KollegInnen aus der eigenen Zunft bekommt bei Atze Schröder jeder sein Fett ab. Doch dass Comedy nicht nur für Fernsehsüchtige und Gala-Leser gemacht wird, bewies er mit dem ersten Teil seines neuen Bühnenprogramms “Revolution”. Sein viertes Bühnenprogram übrigens. “Und diesmal steht nicht `FSK ab 0 Jahren` auf dem DVD-Cover, wie bei Mutterschutz“, verspricht er seinen Fans. Oder war das eine Drohung? Im neuen Programm geht es auch um einen fast schon vergessenen Gender-Diskurs. Um den verweichlichten Mythos der Maskulinität zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Im Atze-Slang: “Um die Tunte”.

Bei zwei Frauen an der Spitze unseres Landes” oder “wenn sich Fußballprofis bei der Pediküre verletzten, sei es höchste Zeit für eine Revolution”, so der selbsternannte Che Guevara-Fan. Die Bühne der Münsterlandhalle war mit einem alten Jagdbomber und Revolutions-Devotionalien “geschmückt”. Doch im Gegensatz zu der Rede seines Idols vor der UN-Vollversammlung in New York dauerte die Rede des deutschen Comedian nur bis zur nächsten Bier- und Pinkelpause seines Publikums. Also etwa 20 Minuten. Von Revolution war nach der Pause keine Rede mehr. Schließlich sei er doch nur “ein kleiner Komiker aus Deutschland”, gab er schließlich kleinlaut bei. Dem Publikum war das egal. Nein, sie lieben ihren Atze für diese Nähe und goutieren seine Wortakobatik mit reichlich Applaus und ehrlichen Lachern. Lacher, die bei Atze Schröder übrigens nicht – im Gegensatz zu anderen Kollegen – von Band kommen, sondern hart erarbeitet sind. Jede Reaktion. Jede Pause. In mittlerweile über 150 Shows. Das Timing sitzt perfekt. Und will das Publikum mal nicht so wie der Künstler will, dann wird mit Schunkelschagern vom Kaliber (“Wanderwarze“) Bata Ilic oder Peter Maffay ausgeholfen.

Im vergangenen Dezember hatte der Comedian noch in seiner Show “Ich kann 24 Stunden” 24 Stunden Comedy (fast) ohne Pause vorgetragen. In Münster waren es an diesem Abend etwas mehr als zwei Stunden, mit drei Zugaben. Der “Maximo Leader der deutschen Humorschaffenden” stellte kurz vor Schluss artig sein Comedy-to-go auf USB-Stick zum Mit-Nachhausenehmen vor, bedankte sich artig und hoffte, “dass alle einen schönen Einstieg in den Altweiberabend” gefunden haben. Die zahlreichen (und zahlungswilligen) Atze-Fans, die an diesem Abend etwa zu 70 Prozent aus Männern bestanden, dankten ihrem Comedy-Liebling mit langanhaltendem Applaus. Die Kuntsfigur Atze Schröder hatte es also wieder einmal geschafft. Auf den Fahrradwegen der Stadt waren noch am späten Abend unzählige Atze-Sprüche zu hören und Fans mit den typischen Atze-Perücken zu sehen. Ein besseres Kompliment kann eine Stadt, neben fünf ausverkauften Shows, ihrem Star-Comedian nicht machen. Weitere Termine zu den Shows von Atze Schröder, hier.

Das neue iPad 2 von Apple

Am gestrigen Mittwoch hat Apple in San Francisco live und per Videostream in London vor Fachpublikum den Nachfolger seines sehr erfolgreichen Tablet-PC vorgestellt, das iPad 2. Wird 2011 das Jahr des iPad 2, wie der erkrankte Steve Jobs vollmundig prognostiziert? Hier eine kurze Zusammenfassung meiner ersten Eindrücke: Was fällt sofort auf? Das iPad 2 ist dünner geworden und wirkt deutlich handlicher als sein Vorgänger. Einige Tablet-Fans hatten sich in zahlreichen Blogs und Videos über die Unhandlichkeit des Vorgängers beschwert. Vor allem bei längeren Anwendungen wie dem Gaming oder dem eReading. In Zahlen heißt dies: Das neue iPad 2 ist jetzt nur noch 8,8 Millimeter dünn und wiegt nur noch 590 Gramm, im Gegensatz zu seinem Vorgänger mit 630 Gramm. Außerdem wird es das neue iPad auch in weiß geben. Das wird zahlreiche Fans verärgern, die immer noch auf ein weißes iPhone warten.

Zu den technischen Neuerungen: Das iPad 2 hat jetzt an der Rückseite eine Kamera, um HD-Filme aufzunehmen. Eine zweite Kamera auf der Frontseite dient zum Videochat über den integrierten Dienst Facetime, wie man es vom neuen iPhone 4 kennt. Außerdem hat Apple das neue iPad deutlich schneller gemacht. Ein eigens entwickelter Dual-Core-Prozessor treibt das Gerät mit 1 GHz Takt an, was vor allem die Grafik des iPad 2 flinker machen soll. Leider hat Apple auch beim iPad 2 auf einen USB-Anschluss verzichtet. Doch wie im Video zu sehen, ist diesmal ein HDMI-Anschluss an Board, der es dem User ermöglicht, Inhalte auf dem iPad 2 auch auf Wiedergabegeräte wie Beamer, Flatscreen oder Fernseher zu sehen.

Im letzten Jahr hat Apple 15 Millionen iPads verkauft. Wenn sich die Preise am alten iPad orientieren und konstant bleiben, dann dürfte der Erfolgsgeschichte des neuen iPad 2 nichts im Wege stehen. Schade aber, dass es keine Erweiterungen wie einen USB-Anschluss am neuen iPad gibt. Ob die neuen Features wie Video-Chat (oder Facetime), eine bessere Handlichkeit und das zusätzliche Angebot mit einem weißen Modell ausreichen, um neue Käuferschichten für das iPad zu gewinnen, bleibt fraglich.