Filmkritik „Mission: Impossible – Fallout“ von Christopher McQuarrie

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Plakat "M:I-Fallout", (c) 2018 Paramount Pictures
Plakat „M:I-Fallout“, (c) 2018 Paramount Pictures
Benji, wir sind aufgeflogen, hol´ mich hier raus!“ schreit Hauptdarsteller Tom Cruise als Ethan Hunt während einer Motorrad-Verfolgungsjagd durch Paris in sein Mikrophon. Und natürlich weiß Benji Dunn, gespielt von Simon Pegg, genau, wo und wann sein Teamcaptain Ethan Hunt abtauchen wird. Also lenkt er zusammen mit seinem treuen Kollegen Luther (Ving Rhames) ein Schlauchboot exakt zur richtigen Zeit unter einen übergroßen Straßen-Lüftungsschacht über der Seine, in den der Agent nur wenige Sekunden später springt, um vor der anrückenden Polizei zu fliehen.

Spektakulärer, gefährlicher, ja unmöglicher scheint das Motto UND der Auftrag von Produzent und Hauptdarsteller Tom Cruise an Christopher McQuarrie gewesen zu sein. Ja, man kennt sich. Man schätzt sich. Zum sechsten Mal arbeiteten Cruise und McQuarrie nun bereits zusammen. Und der Oscar-nominierte Drehbuchautor, der bereits im schwächeren fünften Teil für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnete, hat einmal mehr das Hollywood-Gesetz, das die „Mission: Impossible“-Reihe antreibt, nicht nur erneut verinnerlicht sondern im Fall „Fallout“ bis an die Grenzen der physikalischen wie physischen Glaubwürdigkeit getrieben.

Szene aus dem Film "Mission: Impossible - Falllout" mit Tom Cruise auf dem Motorrad.
Tom Cruise als Ethan Hunt in „M:I – Fallout“
Ohrenmikrophone, die man nie erkennt aber über mehrere Kilometer eine tadellose Verbindung garantieren, sogar in Motorradhelmen, plötzlich abgesprochene Auswegpläne, Sprünge vom Motorrad über Autos und aus dem Fenster aus der dritten Etage – für den mittlerweile 56-jährigen Hauptdarsteller, der bekanntlich darauf besteht, alle seine Stunts selbst zu übernehmen, scheinbar kein Problem. Ein Ethan Hunt darf weder einen Helm tragen, wenn er auf der Place Charles de Gaulle in Paris gegen den sechsspurigen Verkehr um den Arc de Triomphe rast, noch darf er aus 10.000 Meter Höhe mit dem Fallschirm auf einem kaum weniger heiklen, gläsernen Dach landen als auf dem Dach des Grand Palais de Paris.

Nicht nur Hauptdarsteller Cruise, auch der Schauplatz Paris, diese an zahlreichen Sehenswürdigkeiten so reiche französische Stadt an der Seine, wirkt in „Fallout“ wie eine große Jahrmarktattraktion. Und das Duo Cruise/McQuarrie zeigt, wie man aus einer Figur sowie aus einem Schauplatz noch das Maximum herausholen kann. Wer neben den zahlreichen dynamischen „Katz-und-Maus-Momenten“ so etwas wie eine Geschichte oder gar einen ernstzunehmenden Antagonisten verlangt, der sollte darauf nicht allzu lange warten. Irgendwo geht es (einmal mehr) um den Anarchisten Salomon Lane (aus Teil 5), übrigens (weitestgehend in Handschellen) durchaus überzeugend verkörpert von Sean Harris, um drei entwendete Atomsprengköpfe und deren Kauf- und Weiterverkauf sowie um die Interessen unterschiedlicher Geheimdienste.

Szene aus dem Film "Mission: Impossible - Fallout" mit Tom Cruise am Hubschrauberhaken.
Szene aus dem Film „Mission: Impossible – Fallout“
Letztendlich ist es aber viel interessanter, sich diesem Kino der reinen Präsenz zu überlassen. Denn die Dynamik verlangt – mehr noch als in den vorangehenden Teilen des Franchises – nach voller Aufmerksamkeit. Da darf auf Dinge wie Figurenzeichnung, Politik, Psychologie oder Logik gerne verzichtet werden. Dafür hatte Christopher McQuarrie – abgesehen von seinen früheren Drehbuch-Meisterstücken wie „Die üblichen Verdächtigen“ und vielleicht noch „Jack Reacher“ – eh nie viel übrig.

„Fallout“ ist wie eine Achterbahnfahrt für besonders wagemutige Zeitgenossen. Und die beginnt bereits mit der dritten Einstellung. Zugegeben, selten (oder vielleicht noch nie?) hat man im jüngeren Actionkino eine so hohe Dichte an „Kinosessel-Festklammer-Momenten“ genießen dürfen wie im sechsten Teil der Mission: Impossible Reihe. Zuschauer, die unter Höhenangst leiden, seien an dieser Stelle vorgewarnt. Denn auch sie werden über knapp zweieinhalb Stunden erleben dürfen, nicht nur was die Drohnenkamera-Technik zur Zeit leisten kann, sondern um nach Genre-Meilensteinen wie „Stirb langsam“ oder „Leathal Weapon“ Actionkino at it´s best zu erleben. Um dann durchgeschüttelt und nicht durchgerührt vielleicht am Ende sagen zu können: Mann, war das´n geiler Ritt!