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Aufreger des Monats: Media Markt Weihnachtsspots

Logo Media MarktDas Weihnachtsfest ist das Fest der Geburt Jesu. Eigentlich. Zu diesem feierlichen Anlaß wird jedes Jahr etwas verschenkt. Innerhalb der Familie, unter Freunden und/oder Kollegen. Zumindest vielerorts. Diejenigen, die sich darüber am meisten freuen, sind nicht nur meist die Beschenkten selbst, sondern auch die großen Warenhäuser. Sie freuen sich über ein gutes Geschäft. Und dieses wird  – wie jedes Jahr – vor der Weihnachtszeit angefeuert. Durch crossmediale Werbung. Anzeigen auf Litfaßsäulen, in Tageszeitungen, an Bushaltestellen. Werbespots im Radio, im Internet und im TV. Die Möglichkeiten sind in diesen digitalen Zeiten vielfältig. Das kennt man. Das erträgt man. Was sich aber eine große Elektro-Warenhauskette in dieser Vorweihnachtszeit 2011 geleistet hat, das schlägt dem Faß den Boden aus. Mein Aufreger des Monats. Und nicht nur meiner.

In einer Kultursendung hat sich der Journalist Dominick Mertz ein paar Gedanken dazu gemacht. Ich will an dieser Stelle, frei nach den treffenden Formulierungen von Mertz, ein paar Auszüge daraus zitieren: „Auch in diesem Jahr war es wieder soweit. Pünktlich zum 24.12.: Heiligabend. Oder, wie wir Kinder des Werbefernsehens dazu sagen: ´Tag der Entscheidung´. Denn wie verkündete eine namhafte Elektrokette seit Wochen auf allen Kanälen: ´Weihnachten wird unter´m Baum entschieden!´ Im dazu passenden Fernsehspot tanzt eine ausgelassene Familie unter der Nordmanntanne und bejubelt die Geschenkeflut – frei nach dem olympischen Motto: `Größer, teurer, besser`. Ziemlich groß war auch der Aufschrei der Empörung über diese Werbespots. Und schneller als Otto-Normal-Weihnachtsmann einen Baum fällen kann, gab es auch schon die ersten Gegenkampagnen.

Mein persönlicher Eindruck von der Geschenkefront in diesem Jahr war ein ganz anderer: ´Weihnachten wird auf den letzten Metern entschieden!´ Egal, wohin man in der Fußgängerzone schaute, überall wurde noch gesucht und gekauft. Da landete im Warenkorb auch schnell mal das Erstbeste, was einem in die Hände fiel. Und genau DAS war das Problem. Sagt zumindest der amerikanische Ökonom Joel Waldvogel. Der ist so etwas wie der volkswirtschaftliche Knecht Ruprecht. Statt der Rute hat er stattdessen den Taschenrechner ausgepackt. Ergebnis: Weihnachten ist – volkswirtschaftlich betrachtet – eine einzige Katastrophe. Weil uns keine vernünftigen Geschenke einfallen und die Zeit drängt, landet am Ende irgendetwas Lieb- und Sinnloses unterm Weihnachtsbaum. Die einfache Rechnung von Herrn Waldvogel: Durchschnittliche Kosten eines Geschenks = 80,- Euro, Nutzen für den Beschenkten = 0,00 Euro, macht einen wirtschaftlichen Verlust von 80,- Euro. Und da das unter fast jedem Baum so oder so ähnlich vorkommt, summiert sich das alljährlich zu ein paar verheizten Millionen zusammen.

Dazu passt die Meldung, dass sich die Menschen in diesem Jahr wegen Weihnachten bis zu etwa 3 Millionen Euro verschuldet haben, um ihre Weihnachtsgeschenke zu bezahlen. Man könnte also sagen: Das Fest des Glaubens wird zunehmend zum Fest der Gläubiger. Aber immerhin passen die Zahlen auf den Kontoauszügen dann farblich zu den Kugeln am Baum – leuchtend rot! In diesem Sinne, auf ein neues frohes Fest. Am Tag der Entscheidung.“

Eine tolle Glosse. Ich persönlich habe schon in der Vergangenheit, immer wenn es ging, die großen bekannten Elektromärkte gemieden. Und das werde ich in Zukunft weiterhin tun. Jetzt mit noch mehr Nachdruck.

 

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