Filmkritik „Der Vorname“ von Sönke Wortmann

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Plakat zum Film Der Vorname mit allen Darstellern am Esstisch.
(c) Constantin Filmverleih 2018
Theaterfans dürften die Vorlage kennen. „Le Prénom“ heißt diese im französischen Original, geschrieben wurde das Stück von Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte im Jahr 2010. Mit gleicher Besetzung vor und auf der Bühne entstand zwei Jahre später eine französische Kinofassung. Diese knackte nach nur vier Wochen die 3 Mio.-Besucher-Marke in den heimatlichen Kinos. Zwei der vier Darsteller erhielten für ihre Leistungen den franz. Cesár. Bis heute wurde und wird „Der Vorname“ an unzähligen Bühnen gespielt. Weltweit. Für die gleichnamige deutsche Kinofassung nahmen Claudius Päging (Drehbuch, „Schatz, nimm Du sie!“) und Sönke Wortmann (Regie, „Das Wunder von Bern“) lediglich kleine Änderungen vor. Mehr Aufwand war auch gar nicht nötig, denn ihre Version besticht vor allem durch die herausragenden Darsteller.

Es geht um einen Abend mit der Familie. Elisabeth (Caroline Peters) und Stephan (Christoph Maria Herbst) haben zum Dinner geladen. Es gibt „irgendetwas Indisches“. Elisabeth ist Deutsch-Lehrerin, Stephan ist Literaturprofessor. Der erste Gast ist Klarinettist René (Justus von Dohnányi, im franz. Original Posaunist), Elisabeths Haus- und zugleich bester Freund. Am Abend soll es auch um das neue Familienmitglied von Stephans jüngerem Bruder Thomas (Florian David Fitz) und seiner Freundin Anna (Janina Uhse) gehen. Vor allem der Vorname des Neuankömmlings ist von großem Interesse. Als noch vor dem Hauptgang der Name „Adolf“ fällt, ist plötzlich nichts mehr so wie es vorher war.

Vor allem Literaturprofessor Stephan, herausragend neunmalklug interpretiert von Christoph Maria Herbst, hat große Probleme mit der Namensgebung. „Ihr könnt euer Kind doch nicht Adolf nennen.“ Thomas, der schnittige Immobilienkaufmann, findet das subversiv. Und während sich sein älterer Bruder rotweinschwenkend immer weiter in Rage redet, holt die Gastgeberin zur Besänftigung den Nachtisch aus der Küche. Dass das Stück von La Patellière und Delaporte auch acht Jahr nach seiner Bühnenpremiere noch eine Berechtigung auf eine Version für das deutsche Kino hat, zeigen Wortmann und Päging durch ihre geschickte Positionierung gegenüber den Neuen Rechten und weiteren kleinen Anspielungen, zum Beispiel zur AfD.

Doch viel mehr Freude hat das Duo hinter der Kamera am rhetorisch-moralischen Kräftemessen zwischen den unterschiedlichen Kontrahenten vor der Kamera, der studierte Professor auf der einen und der neureiche Immobilienmakler auf der anderen Seite. Was durchaus großen Unterhaltungswert besitzt, aber auch rasch enervierend wirkt so lange die Kamera von Jo Heim minutenlang um die Streithähne kreist. In der Original-Fassung waren die Kontrahenten einander ebenbürtig. Bei Wortmann positionieren sich die unterschiedlichen Lager zum unterhaltsamen Schlagabtausch mit überraschendem Ausgang. Ein großer Spaß.