_ aus dem Kino

Die besten Filme des Jahres 2021: Das waren meine Highlights

Zeichentrickbild von sprechenden Personen mit Sprechblasen

Vorweg: Highlights gab es wenige im Kino in diesem Jahr. Nach der ersten CoVid-19-Welle im März 2020 folgten weitere Corona-Wellen. Diese verhinderten einen Kinobesuch vor Juni diesen Jahres. Dazu bekamen die Lichtspielhäuser, die mit einem reichhaltigen Angebot um die Gunst der Zuschauer*innen buhlten, mit Angeboten aus den VOD-Diensten, den olympischen Sommerspielen in Tokio sowie der verschobenen Fußball-Europameisterschaft reichlich Konkurrenz.

Aus diesem Grund hatten meine Kinobesuche sich im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal deutlich in Grenzen gehalten. Mit nur etwa 90 Besuchen kam ich nach 2020 (mit 60!) auf so wenige Kinogänge wie selten. Einmal mehr geriet dieses eine große Hobby zu einer Leidenschaft, die abermals auch Leiden schafft. Eine weitere Veränderung reduzierte die leidenschaftliche Flamme: Durch den Umzug nach Hessen gab es nicht nur eine neue Umgebung für mich persönlich, sondern auch neue Lichtspieltheater für mein Hobby. Diese musste ich erst einmal kennenlernen. Zum Glück ist das Filmangebot in meiner neuen Heimat ähnlich gut wie das in Münster. Also: Alles wird gut? Das Kapitel CoVid-19 ist hoffentlich bald Geschichte. Impfstoffe sind gefunden und wirken. Der Kulturbetrieb muss(te) weitergehen. Auch in den Kinos!

Corona / CoVidD-19 hin, Impfungen her. Auch am Ende dieses (schwierigen) Jahres darf ich abrechnen. Was war gut? Was war weniger gut? Meine Bestenliste soll im Schlussakkord eines Jahres auch diesmal ebenso wenig fehlen, in diesem Jahr mit den Filmen, die im Kino liefen. Denn dafür werden Filme gemacht. Im Hinblick auf den Schwerpunk Kinofilm ergibt sich:

Meine Topten 2021

Da es einen Festivalbesuch in diesem Jahr nicht gab und einige Filme wie „Fabian…“, „Promising Young Woman“ oder „The Father“ mir schlichtweg `durchgerutscht` sind, besteht auch bei knapp 90 Kinobesuchen für diese Liste kein Anspruch auf Vollständigkeit. Bleibt zu hoffen, dass das Angebot im nächsten Jahr (qualitativ) besser und das Kinojahr 2022 insgesamt länger wird. Und, dass ich einmal mehr das richtige Händchen habe und die richtige Wahl treffe.

In diesem Jahr möchte ich zunächst auf folgende Sichtungen hinweisen, die mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben sind:

1. Annette (Leos Carax)

OK, ich war voreingenommen. Spätestens seit seinen Meisterwerken „Die Liebenden von Pont-Neuf“ (1991) oder „Holy Motors“ (2012) versetzt mich der Name Leos Carax in freudige Erregung. Zu meinem Glück hielt auch sein Musical meinen hohen Erwartungen stand und überraschte mich einmal mehr mit einer sperrigen Natürlichkeit und Direktheit, die meine Sehgewohnheiten erneut neu auf die Probe stellten. Auch seine Geschichte des titelgebenden Künstlerkindes ist ein Musik- und Bilderrausch, der sicherlich nicht jedermanns/-frau Sache sein dürfte aber der das kinematographische Erzählen einmal mehr ganz neu interpretiert.

2. Spider-Man: No way home (Jon Watts)

Mit dem dritten Anlauf und seinem sehr vielseitig talentierten Hauptdarsteller erzählt Regisseur Jon Watts von den Herausforderungen, denen sich die Marvel-Figur Spider-Man stellen muss. Auch wenn Hollywoods Blockbuster-Formel zum hundertsten Mal durchdekliniert wird, so hat mich „No way home“ doch gepackt wie keine Comicverfilmung zuvor. Ob es an der Zusammenführung mit den „älteren“ Spinnenmännern lag oder an der Vielzahl der Gegenspieler: Es gibt bis dato keine bessere Comicverfilmung als diese.

3. Dune (Denis Villeneuve)

Eine Neu-Interpretation des Sci-Fi-Films „Dune“ von David Lynch aus dem Jahr 1984. Ja, viele Einstellungen sind mit dem „Hang zum Epochalen“ imho um einige Frames deutlich zu lang und zahlreiche Szenen muten eher wie ein Spot zu einem Herrenduft an, doch gehört „Dune“ von Denis Villeneuve aus dem Jahr 2021 meines Erachtens zu den Filmen, die für die ganz große Leinwand, für den sehr teuren Kinosessel inkl. Dolby Atmos Sound wie gemacht sind. Große Gefühle auf großer Leinwand, mit perfekten Sound, nahezu perfekten Bildern und überzeugenden Darsteller*innen. Dune – dafür wurde Kino gemacht!

4. Der Rausch (Thomas Vinterberg)

Tomas Vinterbergs Charakterstudie ist der große, intelligentere Bruder der Hangover-Filme aus den USA. Und wenn man so will, der ultimative lebensbejahende Film zur Midlife-Crisis mit einem herausragenden Mads Mikkelsen in der Hauptrolle.

5. The French Dispatch (Wes Anderson)

Auch hier war ich voreingenommen. Was soll in einem Wes Anderson Film schon schiefgehen? Nein, auch seine Tatsachenberichte aus dem (fiktiven) französischen titelgebenden Magazin, wie beispielsweise die Geschichte eines Mörders (Benicio del Toro), der seine französische Gefängniswärterin (Léa Seydoux) zur Muse macht und damit durch Zufall zum Malergenie wird oder die Geschichte einer Entführung, die zugleich eine Restaurantkritik ist, wird von dem kreativen Tausendsassa Anderson in seiner ganz eigenen, typischen Art (im Comic-Stil, oder mit aufgeschnitten Kulissen) erzählt. Und ich feiere das, jedesmal.

6. Minari – Wo wir Wurzeln schlagen (Lee Isaac Chung)

In seinem lose auf eigenen Erfahrungen basierenden Familiendrama erzählt der Autor und Regisseur Lee Isaac Chung von einer vierköpfigen Familie, die in den 1980er Jahren aus Los Angeles auf eine Farm in Arkansas zieht. Mit großen Momenten und beruhigenden Bildern gab es völlig zurecht dafür den Golden Globe und den Oscar in 2020. Toll gespielt, ohne Rührseligkeiten und Culture-Clash-Kitsch.

7. West Side Story (Steven Spielberg)

Auf die Frage, warum es einer Neu-Interpretation eines über 60 Jahre alten, zehnfachen Oscar-Gewinnerfilms bedurfte, antwortete der Regisseur und Produzent Steven Spielberg: „Weil die Themen Einwanderung, MeToo und Jugendkriminalität heute aktueller denn je sind und weil damals mit der Besetzung Fehler (white-washing) gemacht worden sind.“ Das kann man arrogant finden. Oder man erfreut sich an einem nur geringfügig renovierten Meisterwerk, das dem Original damit den nötigen Respekt zollt, interpretiert von wirklichen Darstellern aus ihrem Land, aus Puerto Rico. Dass Bildgestaltung, Setdesign, Kamera (Janusz Kaminski) und die Darsteller*innen in einem Steven Spielberg-Film erstklassig sind, dürfte kaum überraschen.

8. Ammonite (Francis Lee)

Selten hat mich ein Regisseur so sehr in eine Zeit hineinversetzt wie Francis Lee und seine Reise in ein englisches Küstendorf Mitte des 19. Jahrhunderts. Denn Kostümdramen sind immer ein wenig auch Glaubenssache: Entweder man genießt das Wunder einer Zeitreise oder man arrangiert sich mit dem großen Bluff. Francis Lee erzählt die Geschichte von Mary Anning, die es wirklich gab und heute als wichtige Pionierin auf dem Gebiet der Paläontologie gilt. Kate Winslet (als Mary Anning) und auch Saoirse Ronan begeistern in einem bewusst spröden, bedrückenden ehrlichen und letztlich emotional vollauf bewegenden Liebesdrama, das zudem atmosphärisch wie visuell eine echte Wonne ist.

9. Bergman Island (Mia Hansen-Love)

Das Ehepaar Chris (Vicky Krieps) und Tony (Tim Roth), beide Filmemacher, folgen einer Einladung und starten in der Idylle der Insel Farö mit neuen Projekten, die Mia Hansen-Love im Stile Bergmans ganz organisch zu einem Film-im-Film entstehen lässt. Aus dem Innen und Außen ergeben sich semi-autobiografische Szenen einer Ehe, mit zahlreichen Zitaten sowohl aus dem Schaffen Bergmans als auch der Regisseurin. Zu Beginn recht spröde, entwickelt sich ein dramaturgisch immer spannender werdendes Vexierspiel zwischen Realität und Fiktion.

10. James Bond 007: Keine Zeit zu sterben (Cary Joji Fukunaga)

Ein formelhafter Bond in einer Bestenliste? Ja, der letzte Bond mit Daniel Craig, unzählige Male verschoben, der Druck war enorm, ist ein guter, weil untypischer Bond. Craigs letzte Mission gilt der Rettung eines entführten Wissenschaftlers und führt den britischen Geheimagenten auf die Spur eines mysteriösen Gegenspielers (Rami Malek). Dieser ist im Besitz einer neuen Virus-Waffe. Mit ganz neuen, untypischen Elementen für einen Bond-Film (Vaterschaft, psychologische Hilfe, Austauschbarkeit) und Dank des Mutes eines selbstbewussten Regisseurs entstand ein Darsteller-Abschied, der vor allem wegen seiner Abschiedstour in Erinnerung bleiben wird. So fand die Weltpremiere in London vor britischen Hilfskräften aus dem Gesundheitswesen und dem Militär statt. Danke, Frau Broccoli und Herr Wilson für so viel Mut, den Spagat zwischen Tradition und Moderne jedes Mal aufs Neue zu wagen. Und danke, Daniel Craig für fünf sehr gute Bond-Filme!


Das waren meine wenigen Highlights aus dem stark dezimierten Kinojahr 2021. Wer die besten Filme des Jahres 2020 noch einmal nachlesen möchte, für den habe ich hier den Link dazu. Wir sprechen uns an dieser Stelle hoffentlich bald wieder. Mit besseren Filmen. In einem hoffentlich Kino-freundlicheren und einigermaßen CoVid-19-freien Jahr 2022.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.