Literarische Gegendemonstration

Buchcover BissMünster – Den wohl kurzweiligsten literarischen Anachronismus der letzten Zeit liefert in diesen Tagen die amerikanische Autorin Stephenie Meyer (ja, Vorname mit drei „e“) mit ihrer Buchreihe „Bis(s)“. Das vierte Buch der Reihe mit dem Titel „Biss zum Ende der Nacht“ ist Anfang der Woche im Hamburger Carlsen Verlag erschienen. Ich habe den ersten Teil der Reihe „Biss zum Morgengrauen“ gelesen, auch weil ich immer bemüht bin, vor einem Filmbesuch die Romanvorlage zu lesen. Und „Twilight“, so der Titel des Films zum Buch, steht noch auf meiner „Must see-Liste“.

42 Millionen Bücher der Bis(s)-Reihe sind bislang über die Ladentheke gegangen. An den literarischen Qualitäten kann dies aber nicht liegen. Erzählt wird die Liebesgeschichte des „All American Girl“ Bella Swan, einem orientierungslosen Scheidungskind der US-Mittelschicht, die sich in ihren Mitschüler Edward verliebt. Keine neue Idee. Mit diesem Story-Gerüst hätte man Meyers Buchreihe bestenfalls auf den Wühltischen diverser Supermärkte wiederfinden können, wäre Edward nicht ein Vampir und würde er nicht einer überlegenen Gesellschaft namens „Cullen-Vampire“ angehören. Die Cullen-Vampire sind verdammt schön, schlau, stark, glauben an Gottes Schöpfungsgeschichte, leben ewig und was das Wichtigste ist: Sie jagen keine Menschen, sondern ausschließlich Tiere.

Doch zurück zum Anachronismus. Autorin Stephenie Meyer ist Mormonin, sie hat an der Brigham Young Universität im Mormonenstaat Utah studiert. Der Ehrenkodex der „Bri“, wie die Fakutät unter Studierenden nur kurz genannt wird, verbietet außereheliche und homosexuelle Beziehungen. Meyers Hauptfigur aus ihren „Bis(s)“-Büchern, Bella Swan, hat nur wenige Hobbies, kaum Freundinnen, verliebt sich in einen schönen, mysteriösen Mitschüler und ihr Hauptanliegen ist es, Zeit mit Edward zu verbringen, um letztendlich zur Cullen-Religion zu konvertieren. Vom Feminismus beispielsweise einer Charlotte Roche ist in den Büchern von Meyer weit und breit keine Spur. Einige Kritiker nennen dies anti-feministisch. Ein Geheimnis des großen Erfolges? Die Kennenlernphase zwischen Bella und Edward soll sich ohne größere Vorkommnisse über drei Bücher erstrecken. Im vierten, das wie gesagt seit Anfang er Woche auf dem Markt ist, gibt es erstmalig Sex, Bella und Edward sind inzwischen volljährig und befinden sich – natürlich – in den Flitterwochen. Die anderen Bücher der Reihe werde ich mir wohl schenken. Die Besprechung des Filmes „Twilight“ gibt es in Kürze auf mehrfilm.de zu lesen.

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