Energiegipfel = Atomausstieg?

Berlin – Eigentlich soll der Atomausstieg beim heutigen Energiegipfel gar kein Thema sein – zumindest wenn es nach Angela Merkel geht. Doch Spitzenpolitiker aus der Union und die Energiewirtschaft fachen den Streit mit Forderungen nach längeren Laufzeiten der Atommeiler von neuem an. Eine klare Mehrheit der Vertreter der Energiewirtschaft und deutscher Industrieller hat sich für eine weitere Nutzung der Atomkraft ausgesprochen. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter mehr als 1100 Firmen halten 70 Prozent der Betriebe einen Ausstieg aus der Kernenergie nicht für sinnvoll und sprechen sich „zumindest für eine Verlängerung der Laufzeiten aus“, sagte DIHK-Präsident Ludwig Braun. Der Atomausstieg ist ein Dauer-Streitthema in der großen Koalition. Die Bundeskanzlerin wollte die strittige Atomfrage beim Gipfel ausklammern, doch nun wird sie wohl zur zentralen Frage (werden müssen).

Die Bundeskanzlerin trifft sich heute im Kanzleramt mit Vertretern von Regierung, Wirtschaft und Verbrauchern. Die Bundesregierung soll nach dem Willen Merkels bis zum zweiten Halbjahr 2007 ein langfristiges Energiekonzept erarbeiten, das bis 2020 Versorgungssicherheit, bezahlbare Energiekosten für Verbraucher und Wirtschaft sowie Klimaschutz miteinander verbinden soll. Beim Gipfel werden keine direkt wirksamen Ergebnisse erwartet. Das Treffen mit Wirtschaft und Verbänden soll nach Regierungsangaben aber Startschuss für weitere Gespräche sein. Die Gespräche werden, so heißt es, auf Grundlage verschiedenster Ideen, Vorschläge und Untersuchungen geführt.

Die Unternehmungsberatung McKinsey hat drei mögliche Wege zur Lösung der Herausforderung betrachtet. Da die ersten beiden Wege, eine CO2-Reduktion seitens der USA und ein europ. Ausstieg aus dem Kyoto Prozess wohl weniger Chancen haben, verspricht der dritte, wahrscheinlichste Ansatz, mit einer Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke in Deutschland und Europa über das Jahr 2020 hinaus bei gleichzeitiger Förderung Erneuerbarer Energien, die größten Chancen. Denn nur so könnte, laut McKinsey, der alte Kontinent erfolgreich Klimaschutz betreiben, die Importabhängigkeit von russischem Erdgas begrenzen und gleichzeitig wettbewerbsfähige Strompreise behalten. Schade, dass nur wenige Personen aus der Grünen-Fraktion den bewegenden Spielfilm Die Wolke“ gesehen haben. In diesem wird sehr deutlich aufgezeigt, welche Gefahren auch heute noch von Atomkraftwerken ausgehen. Man kann allen Beteiligten des Gipfels nur ein sicheres Händchen für die richtigen Entscheidungen wünsche. Schließlich dikutieren sie über unsere Zukunft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.