Wieder einmal Chaos beim SC Preussen Münster

Screenshot Voting Marc FascherWas ist da eigentlich wieder los, fragt sich der Fußballfan des SC Preußen Münster in diesen Tagen. Alles schien doch in bester Ordnung zu sein? Ein neuer Trainer, beliebt bei den Fans, führt eine neu zusammengewürfelte Truppe in die nächst höhere Spielklasse. Ein Vorstand feiert, der Verein feiert, eine Stadt feiert. Niieee meeehr vierte Liga! Und damit nicht genug klettert diese Truppe, angeführt von einem gewieften Taktiker, die Tabelle in der dritthöchsten Spielklasse hinauf bis auf Platz 8. 32 Siege, 20 Remis und 15 Niederlagen in 67 Spielen. Als Aufsteiger. Winterpause. Nur wenig später dann das Unvorstellbare: Die Aufstiegseuphorie ist längst verflogen, der Trainer wird nach dem ersten Spiel in der Rückrunde von seinen Aufgaben entbunden. Er hatte sich zuvor bei seinen Fans bedankt. Am 12. Januar hatte Marc Fascher, so der Name des Erfolgstrainers, seinen Abschied zum Ende der Saison verkündet. Nur 11 Tage später wird er entlassen.

Aufhören, dann, wenn es am schönsten ist. Hatte er das noch in der Winterpause gedacht? Nein, so einfach ist es nicht. So einfach kann es sich ein Trainer nicht machen, dem die meisten (Spieler-)Wünsche zuvor von den Augen abgelesen wurden. Wer den Hanseaten Marc Fascher kennt – und ich hatte das Vergnügen, den sympathischen Trainer in der Zeit vor, während und kurz nach dem Aufstieg in die dritte Liga einige Male interviewen zu dürfen, – der weiß, dass Herr Fascher zu seinem Wort steht. Also muss der Bruch mit dem Verein andere Ursachen haben. Die langjährigen Fans, die in zahlreichen Foren ihren Unmut über die angebliche “Flucht” des Trainers freien Lauf ließen, hatten den oder vielmehr die Verantwortlichen für diese Entscheidung längst ausgemacht: den Vorstand. Das Verhältnis zu Sportvorstand Carsten Gockel, Faschers erstem Ansprechpartner, war seit Wochen gestört. So hieß es aus engen Kreisen der Fanklub-Szene. Und auch das Verhältnis zum Vereinsvorstand, besonders zu den Personen Thomas Bäumer, dem mächtigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Dr. Marco de Angelis, soll nicht das beste gewesen sein.

Nach der Posse um den nachweislich professionell arbeitenden, ehemaligen Trainer des SCP, Roger Schmidt (jetzt erfolgreich mit dem SC Paderborn, Platz 5 in der zweiten Liga) im letzten Jahr, wurde erneut ein von den Fans geliebter Trainer vom Vorstand geschasst. Da fragt sich doch der Fußballfan, ob man in Münster überhaupt als Trainer in Ruhe arbeiten kann? Meine Antwort auf diese Frage nach einigen Erfahrungen mit allen Beteiligten ist: Eine produktive Zusammenarbeit mit dem Vorstand ist in dieser Zusammensetzung in Münster anscheinend nicht möglich. Und wenn sich in nächster Zeit auch auf Seiten des Vorstandes keine Veränderungen ergeben, hat der SCP einen großen Fan verloren. Da passt es hervorragend ins Bild, dass der Vorstand ein lange geplantes Treffen mit den eigenen Fans für den kommenden Dienstag kurzerhand abgesagt hat. Krisenbewältigung sieht anders aus. Mit großer Sicherheit werden in nächster Zeit weitere Fans ihren Unmut (leider) auch auf anderem Wege Luft machen wollen. Dem neuen Trainer sollte man viel Glück und vor allem viel mehr Selbstbewusstsein wünschen.

P.S.: Nachtrag (24.01.) Der neue Trainer heißt Pavel Dotchev. Mit ihm wurde bereits am vergangenen Sonntag verhandelt. Ein Tag vor der Entlassung des Trainers Marc Fascher. Willkommen in Münster!