Kinderidylle, Arbeitswelt, Spreewald – Meine Filme vom Wochenende #15 2012

Szenenbilder aus Krieg der Knoepfe Work Hard Play Hard Le Havre Polizeiruf 110Abwechslungsreicher kann Kino kaum sein. Ein Ausflug in den Süden Frankreichs des Jahres 1944 und später ein Rundgang durch die Büros und Kaffee-Ecken einiger Hamburger Firmen und Agenturen. Dazu am nächsten Tag ein Blick in ein französisches Hafenidyll auf einer Großbildleinwand und am nächsten Abend die Reise in den Spreewald im TV. Aber der Reihe nach. Die gedankliche Odyssee startete mit Christophe Barratier („Die Kinder des Monsieur Matthieu“) und seinem “Krieg der Knöpfe“. Die x-te Verfilmung des Kinderbuches von Louis Pergaud hat mich nicht wirklich überzeugen können. Die Geschichte zweier Kinderbanden aus den Dörfern Velrans und Longeverde wurde von 1912 (Originalgeschichte) in das Jahr 1944 verpflanzt. Aber trotz der großartigen Darsteller (ja, auch Laetitia Casta !) sind die Bedrohungen durch den Krieg zu schwach und die Abenteuer der Kinder zu holprig inszeniert. Inhalt und Kritik in wenigen Wörtern, hier.

Noch am selben Tag ging es von der südfranzöischen Landidylle in die fast klinisch kalt wirkenden Büros und Empfangshallen einiger Hamburger Konzerne und Agenturen. Mit ruhiger, fast gelangweilter Kamera unternimmt Filmemacherin Carmen Losmann in “Work Hard, Play Hard” “eine Reise durch die postindustriellen Werkstätten der Wissens- und Dienstleistungsarbeit, die als unsere Arbeitswelt von morgen gelten.” Ihr kommentarloser Blick fördert – fast im Vorbeigehen – Erschreckendes zu Tage. Carmen Losmann ist mit ihrer Direct Cinema Doku eine sehr sehenswerte, teilweise erheiternde, vor allem aber erhellend ehrliche Bestandsaufnahme der heutigen Arbeitswelt gelungen. Eine Welt, in der “die Ressource Mensch” in den Mittelpunkt rücken soll. Die sich nach dem Kinobesuch aber niemand wünschen dürfte. Zumindest nicht in dieser – oder in einem der im Film vorgestellten Unternehmen – beschäftigt zu sein. Klasse! Meine Kurzkritik dazu hier.

Aus Hamburg ging es am nächsten Tag an die französische Atlantikküste. Ein Freund lud zu einem gemeinsamen Filmabend. Er hatte sich “Le Havre” von Aki Kaurismäki auf Blu-ray gekauft, den wir zu siebt auf einer Großbildleinwand genießen durften. Ein herrlicher Abend. Da ich den Film noch nicht kannte und sehr unterschiedliche Urteile von Kollegen gehört hatte, war ich sehr gespannt auf den Film. Der ewige Nostalgiker Kaurismäki erzählt die berührende Geschichte eines glücklich verheirateten Schuhputzers (André Wilms), der auf ein Flüchtlingskind trifft und dessen Weiterreise nach London ermöglicht. “Le Havre” ist eine Ode an die Freundschaft und die Gemeinschaft: Es ist vielleicht nicht der beste Film des Finnen Kaurismäki aber bestimmt sein menschlichster. Hat mir gut gefallen.

Anstelle des obligatorischen “Tatorts” am Sonntagabend durften sich die Krimifans auf einen hervorragenden Polizeiruf 110 mit dem Titel “Die Gurkenkönigin” freuen. Warum freuen? Weil Ed Herzog (bekannt durch seine kitschigen Heike Makatsch Filme “Almost Heaven”, 2005; “Schwesterherz”, 2006) ein ausgezeichneter Krimi-Regisseur (“Der Fahnder”, “Tatort” – Herz aus Eis) mit Hang zu ausgefeilten Ideen ist und diesmal die wunderbare Sophie Rois die Rolle der Kriminalhauptkommissarin von Imogen Kogge übernahm. Zusammen mit dem immer wieder wunderbaren Horst Krause brilliert Sophie Rois an der Seite von Susanne Lothar, die eine vom Leben frustrierte Spreewald-Gurkenkönigin gibt in einem sehr grotesken, spleenigen und bewußt überzeichneten Krimi mit hohem Unterhalstungsfaktor. Traditionsbewusste Tatort-Fans dürften die Hände vor dem Kopf zusammengeschlagen haben, ich habe mich königlich amüsiert und kann diesen “anderen” Polizeiruf nur wärmstens empfehlen.

Mein Film der Woche ist aber:

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Versext, verzaubert und verliebt – Meine Filme vom Wochenende #14 2012

Szenen aus den Filmen Titanic Spieglein Spieglein ShameBevor es schon wieder in eine neue Kinowoche geht, will ich an dieser Stelle (mit etwas Verspätung) schnell noch meine Kritiken zu meinen letzten Filmbesuchen loswerden. Denn diese neuen Filme hatten es in sich. Zusammen mit meiner Frau hatte ich mich sehr auf einen Besuch der Neuauflage von James Camerons “Titanic” gefreut. 15 Jahre nach seinem Mega-Erfolg, brachte Cameron pünktlich zum 100. Jahrestag des wohl bekanntesten Schiffsunglücks der Geschichte seine parallel erzählte Liebesgeschichte zwischen Rose (Kate Winslet) und Jack (Leonardo DiCaprio) erneut auf die Leinwände – aufbereitet in 3D. Während die einen von “Geldschneiderei” (ARD) sprechen, boten mir die (wenigen) Szenen in der neuen Dimension durchaus einen Mehrwert, der den Kauf der (teuren) Eintrittskarte rechtfertigt. “Titanic” ist und bleibt ein Meisterwerk, ein Kunstprodukt, das zur kulturellen Bildung dazu gehört wie ein Besuch des Louvre in Paris. Reingehen! Meine Kurzkritik dazu hier.

Ein ähnlich positives Filmerlebnis hatte ich mir auch von Tarsem Singhs “Spieglein, Spieglein“, der Neu-Interpretation des bekannten “Schneewittchen”-Märchens von den Gebrüdern Grimm, erhofft. Auch, weil ich ein großer Fan des indischen Bildermagiers (“The Cell”, “The Fall”) bin. Doch nach etwa 60 Minuten dieser insgesamt 106 minütigen Märchenstunde stellt sich Ernüchterung ein. Nicht, weil sich Tarsem Singh mit der Interpretation des Märchens zu viel zugemutet hat, sondern weil seine Darstellerinnen Lily Collins (Schneewittchen) und Julia Roberts (Königin) die nötige Dosis Charisma bzw. Boshaftigkeit vermissen lassen. So changiert ihr Spiel ein ums andere Mal zwischen albernem Augenrollen und hektischen Tätigkeiten einer Garderobiere hin und her, insgesamt also viel zu wenig, um das herausragende Setting und die atemberaubenden Kostüme mit Leben zu füllen. Nur etwas für Fans, ein paar Worte dazu hier.

Der neue, erst zweite Beitrag des talentierten Regie-Newcomers Steve McQueen sollte meine Laune wieder aufbessern. Sein Drama “Shame” kam mit einiger Verspätung und reichlich Vorschußlorbeeren nach Münster. “Shame” erzählt die Geschichte eines… halt…, erzählt Steve McQueen eine Geschichte? – Nein, nicht wirklich. Fange ich also noch einmal neu an: In “Shame” geht es um einen überzeugten Single (Michael Fassbender), Mitte dreißig, der unter Sexsucht leidet. Als Brandon, so sein Name, Besuch von seiner (weniger gefestigten) Schwester (Carey Mulligan) bekommt, sieht er sich seiner Freiheit beraubt, entledigt sich seiner Porno-Sammlung, seiner Videos und sonstiger (Sex-)Spielzeuge und sucht sein Heil in weiteren Minuten-Bekanntschaften, für deren Dienste er mal bezahlt, mal nicht. Wer eine Entwicklung, Hintergründe oder vielleicht ein Happy End erwartet hatte, der wurde bitter enttäuscht. Ich wurde es auch. Das Umkreisen einer gestörten Figur an bestimmten Schauplätzen ist mir in einem Film viel zu wenig. Einige nennen das “meisterlich”, ich nenne es prätentiös. Für mich ist “Shame” bisher die größte Enttäuschung des Kino-Frühlings 2012, auch, weil ich das Spielfilmdebüt “Hunger” von Steve McQueen sehr mochte. Auch dazu ein paar kritische Worte hier. Auf in die nächste Kinowoche!

Gehetzt, gefürchtet und geliebt – Meine Filme vom Wochenende

Szene aus den Filmen Gone Das Haus der Krokodile Ziemlich beste FreundeWas habe ich in zahlreichen Filmkritiken über deutsche Kinderfilme geschimpft. Oh, Kinder! Dafür bin ich selbst schon übel beschimpft und auf den zahlreichen Kinderfilmfesten, die ich über die Jahre besucht habe, immer wieder schief angeschaut worden. Ist denn die Position, auch das kritisieren zu dürfen, was man liebt, keine selbstverständliche mehr? Ja, was ist schon selbstverständlich? Na, für mich war es in den letzten Jahren klar, dass skandinavische Kinder- und Jugendfilme dem deutschen Kinder- und Jugendfilm meilenweit den Rang abgelaufen haben. So weit, so schlecht. Toll, dass es Ausnahmen von Regeln gibt und dass eine davon – wie in diesem Fall – ein guter junger Kinderfilm aus Deutschland kommt.

Ich ahnte das Schlimmste, als ich von einer Kinderbuch-Neuerzählung ausgerechnet durch Philipp Stemmert & Cyrill Boss (“Jerry Cotton”, “Neues vom Wixxer”) las. Das Pro7-Märchenstunden-Duo und ein deutscher Kinderfilm? Das kann gar nicht passen. Der Kinobesuch des hervorragenden Kinderfilms “Das Haus der Krokodile” hat mich wieder einmal eines Besseren belehrt. Die Kinoversion des 1976er TV-Mehrteilers ist auch Dank der feinfühligen Regie und des hervorragenden Geschwister-Trios Kristo, Joanna und Vijessna Ferkic ein durch und durch empfehlenswerter Kinderfilm geworden. Hier meine Kurzkritik dazu.

Genauso groß wie die Überraschung bei “Das Haus der Krokodile” war die Enttäuschung bei meinen nächsten beiden Filmen. Zum einen ist die junge Amanda Seyfried auch in “Gone” eine Augenweide, jedoch wird sie in diesem von der Regie völlig verhunzten B-Movie durch ein hanebüchenes Rache-Szenario geschickt, das bereits nach 15 Minuten nur noch langweilt. Schnell vergessen! Auch dazu dennoch ein paar Worte in meiner Kurzkritik.

11 Wochen auf Platz 1 der deutschen Kinocharts. Über 6 Millionen Kinobesucher in Frankreich. Über 65.000 Kinobesucher in Münster. Es ist schon erstaunlich, dass ich es bisher nicht geschafft hatte, mir den Publikumsliebling “Ziemlich beste Freunde” anzusehen. Als Freund von Filmen im Originalton kam daher die französische OmU-Fassung von “Intouchables” (Originaltitel) vielleicht noch genau zur rechten Zeit. Und… tja, was soll ich sagen.. vielleicht waren die Erwartungen zu hoch, vielleicht die Vorschußlorbeeren zu süß, dieses französische Feel-Good-Movie ist mir eine Spur zu formelhaft, zu vorhersehbar, zu mutlos. Ein Pariser Vorstadt-Eddie Murphy und ein verkopfter Intelektueller spielen gekonnt auf der Klaviatur der sozialen Gegensätze. Filmtheoretiker nennen so etwas einen “Crowd-Pleaser”, einen “Ran-Schmeisser-Film”. Wer Reibungen, Brüche, Überraschendes (“Brautalarm”, “Freunde mit gewissen Vorzügen”, “Einfach zu haben”) oder gar etwas Neues erwartet, der sitzt in diesem Film falsch. Da erwarte ich etwas mehr von einer intelligenten Komödie.

Gemeinschaft, Glück, Geheimdienst – Meine Filme vom Wochenende

Szenenbilder aus den Filmen Die Thomaner Glück Safe HouseDas letzte Wochenende im Februar ist für einen Filmfan jedes Jahr reserviert – für eine große, vielleicht weltweit die größte medial begleitete Abend-Veranstaltung, wenn in Los Angeles die Oscars vergeben werden. Selbstverständlich bleiben Filmfans wach, wenn es etwa zwei Dutzend Male heißt: “And the Oscar goes to…”. Auch in diesem Jahr habe ich die Entscheidungen via twitter kommentiert, zuvor auf diversen Blogs und Internet-Seiten die Gewinner getippt und mich nachher über die Berichterstattung gefreut. Die neuen Entwicklungen im Bereich “Social Media”, die diese Auseinandersetzungen mit der Kunstform Film ermöglichen, sind ein Segen, nicht nur für die kulturelle Berichterstattung.

Als Freier Journalist lebe ich aber auch von meinen Aufträgen für die Tages- und Fachpresse sowie von meinen Filmkritiken für Off- und Online-Medien. Für mich gilt es, gerade im Bereich der kulturellen Berichterstattung, einem Trend entgegen zu wirken. Vielerorts wurde dieser mit einem Rotstift eingeleitet. Die Abonnenten-Zahlen bei den Tageszeitungen und Fachmagazinen sind bekanntermaßen rückläufig. Gespart wird meistens bei der sog. “Randberichterstattung”, also im Bereich Kultur-, in der IT- und der “Sonstiges”-Berichterstattung. Viele Meldungen, die in Tageszeitungen und auf deren Online-Auftritten veröffentlicht werden, kommen heute von Agenturen. Das führt oft zu einem Gesichtsverlust des Mediums. Das Print- und auch Online-Produkt droht, im medialen Einheitsbrei zu versinken. Ein Armutszeugnis.

In will an dieser Stelle versuchen, diesem Trend des “Gesichtsverlustes” entgegen zu wirken. Meine Aufgabe kann beispielsweise darin bestehen, für Medien, die sich diesem medialen Einheitsbrei widersetzen, gezielt Werbung zu machen. Werbung kann beispielsweise auch durch Vernetzung geschehen. Den Anfang will ich machen, indem ich an dieser Stelle über meine zahlreichen Besuche in kulturellen Einrichtungen, wie Theatern, Ausstellungen oder Lichtspielhäusern kurz berichte und meine Texte für die entsprechenden Medien “an-teaser”.

Der Startschuss sollen meine Filmbesuche für die Wochenschau nadann… sein, über die ich an dieser Stelle jede Woche kurz zusammenfassend berichten werde. Drei Filme waren es beispielweise am Wochenende vor der Oscar-Verleihung. Auf die wenig kritische Dokumentation “Die Thomaner” über den berühmten Leipziger Knabenchor (Kurzkritik dazu hier) folgte der gleichermaßen wenig erbauliche Hollywood-Thriller Safe House mit Ryan Reynolds und Denzel Washington in den Hauptrollen, der zwar kurzweilige Unterhaltung bot aber nicht nachhaltig haften blieb (Kurzkritik dazu hier). Ein Glücksfall – und den gibt es zur Zeit immer öfter im Kino – war die rührende Liebesgeschichte “Glück” von Doris Dörrie. Zusammen mit meiner Frau litt ich in der ausverkauften Abendvorstellungen mit der Prostituierten Irina und dem Herumtreiber Kalle, die in der Verfilmung einer Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach ihr Glück in der Liebe suchen. Genau der richtige Film zu zweit am Vorabend einer Filmpreisverleihung (Kurzkritik dazu hier).

Das soll es für´s Erste gewesen sein. Nächste Woche mehr an dieser Stelle. Dieser Blogeintrag wird über meine sozialen Kanäle (twitter, Facebook) verbreitet.