Abwechslungsreicher kann Kino kaum sein. Ein Ausflug in den Süden Frankreichs des Jahres 1944 und später ein Rundgang durch die Büros und Kaffee-Ecken einiger Hamburger Firmen und Agenturen. Dazu am nächsten Tag ein Blick in ein französisches Hafenidyll auf einer Großbildleinwand und am nächsten Abend die Reise in den Spreewald im TV. Aber der Reihe nach. Die gedankliche Odyssee startete mit Christophe Barratier („Die Kinder des Monsieur Matthieu“) und seinem “Krieg der Knöpfe“. Die x-te Verfilmung des Kinderbuches von Louis Pergaud hat mich nicht wirklich überzeugen können. Die Geschichte zweier Kinderbanden aus den Dörfern Velrans und Longeverde wurde von 1912 (Originalgeschichte) in das Jahr 1944 verpflanzt. Aber trotz der großartigen Darsteller (ja, auch Laetitia Casta !) sind die Bedrohungen durch den Krieg zu schwach und die Abenteuer der Kinder zu holprig inszeniert. Inhalt und Kritik in wenigen Wörtern, hier.
Noch am selben Tag ging es von der südfranzöischen Landidylle in die fast klinisch kalt wirkenden Büros und Empfangshallen einiger Hamburger Konzerne und Agenturen. Mit ruhiger, fast gelangweilter Kamera unternimmt Filmemacherin Carmen Losmann in “Work Hard, Play Hard” “eine Reise durch die postindustriellen Werkstätten der Wissens- und Dienstleistungsarbeit, die als unsere Arbeitswelt von morgen gelten.” Ihr kommentarloser Blick fördert – fast im Vorbeigehen – Erschreckendes zu Tage. Carmen Losmann ist mit ihrer Direct Cinema Doku eine sehr sehenswerte, teilweise erheiternde, vor allem aber erhellend ehrliche Bestandsaufnahme der heutigen Arbeitswelt gelungen. Eine Welt, in der “die Ressource Mensch” in den Mittelpunkt rücken soll. Die sich nach dem Kinobesuch aber niemand wünschen dürfte. Zumindest nicht in dieser – oder in einem der im Film vorgestellten Unternehmen – beschäftigt zu sein. Klasse! Meine Kurzkritik dazu hier.
Aus Hamburg ging es am nächsten Tag an die französische Atlantikküste. Ein Freund lud zu einem gemeinsamen Filmabend. Er hatte sich “Le Havre” von Aki Kaurismäki auf Blu-ray gekauft, den wir zu siebt auf einer Großbildleinwand genießen durften. Ein herrlicher Abend. Da ich den Film noch nicht kannte und sehr unterschiedliche Urteile von Kollegen gehört hatte, war ich sehr gespannt auf den Film. Der ewige Nostalgiker Kaurismäki erzählt die berührende Geschichte eines glücklich verheirateten Schuhputzers (André Wilms), der auf ein Flüchtlingskind trifft und dessen Weiterreise nach London ermöglicht. “Le Havre” ist eine Ode an die Freundschaft und die Gemeinschaft: Es ist vielleicht nicht der beste Film des Finnen Kaurismäki aber bestimmt sein menschlichster. Hat mir gut gefallen.
Anstelle des obligatorischen “Tatorts” am Sonntagabend durften sich die Krimifans auf einen hervorragenden Polizeiruf 110 mit dem Titel “Die Gurkenkönigin” freuen. Warum freuen? Weil Ed Herzog (bekannt durch seine kitschigen Heike Makatsch Filme “Almost Heaven”, 2005; “Schwesterherz”, 2006) ein ausgezeichneter Krimi-Regisseur (“Der Fahnder”, “Tatort” – Herz aus Eis) mit Hang zu ausgefeilten Ideen ist und diesmal die wunderbare Sophie Rois die Rolle der Kriminalhauptkommissarin von Imogen Kogge übernahm. Zusammen mit dem immer wieder wunderbaren Horst Krause brilliert Sophie Rois an der Seite von Susanne Lothar, die eine vom Leben frustrierte Spreewald-Gurkenkönigin gibt in einem sehr grotesken, spleenigen und bewußt überzeichneten Krimi mit hohem Unterhalstungsfaktor. Traditionsbewusste Tatort-Fans dürften die Hände vor dem Kopf zusammengeschlagen haben, ich habe mich königlich amüsiert und kann diesen “anderen” Polizeiruf nur wärmstens empfehlen.
Mein Film der Woche ist aber:
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Bevor es schon wieder in eine neue Kinowoche geht, will ich an dieser Stelle (mit etwas Verspätung) schnell noch meine Kritiken zu meinen letzten Filmbesuchen loswerden. Denn diese neuen Filme hatten es in sich. Zusammen mit meiner Frau hatte ich mich sehr auf einen Besuch der Neuauflage von James Camerons “Titanic” gefreut. 15 Jahre nach seinem Mega-Erfolg, brachte Cameron pünktlich zum 100. Jahrestag des wohl bekanntesten Schiffsunglücks der Geschichte seine parallel erzählte Liebesgeschichte zwischen Rose (Kate Winslet) und Jack (Leonardo DiCaprio) erneut auf die Leinwände – aufbereitet in 3D. Während die einen von “Geldschneiderei” (ARD) sprechen, boten mir die (wenigen) Szenen in der neuen Dimension durchaus einen Mehrwert, der den Kauf der (teuren) Eintrittskarte rechtfertigt. “Titanic” ist und bleibt ein Meisterwerk, ein Kunstprodukt, das zur kulturellen Bildung dazu gehört wie ein Besuch des Louvre in Paris. Reingehen! Meine
Was habe ich in zahlreichen Filmkritiken über deutsche Kinderfilme geschimpft. Oh, Kinder! Dafür bin ich selbst schon
Das letzte Wochenende im Februar ist für einen Filmfan jedes Jahr reserviert – für eine große, vielleicht weltweit die größte medial begleitete Abend-Veranstaltung, wenn in Los Angeles die Oscars vergeben werden. Selbstverständlich bleiben Filmfans wach, wenn es etwa zwei Dutzend Male heißt: “And the Oscar goes to…”. Auch in diesem Jahr habe ich die Entscheidungen via