Kinokonzert Nosferatu im Cineplex Münster

Plakat Kinokonzert NosferatuDie Pflege von deutschem Kulturgut ist ein unterstützenswertes Vorhaben. Wenn in Münster einer der bedeutendsten deutschen Klassiker der Filmgeschichte gezeigt und durch das hervorragende Sinfonieorchester Münster begleitet wird, sollte man sich diese Vorführung nicht entgehen lassen. Bereits zum dritten Mal hielt das Cineplex Münster an zwei Abenden ihren größten Kinosaal frei und lud nicht nur Cineasten und Klassikfans zu einer Vorführung eines Stummfilms samt Orchesterbegleitung ein. Nach dem großen Erfolg der Kinokonzerte in den vergangenen Spielzeiten präsentierte das Sinfonieorchester Münster unter der Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg den deutschen Stummfilmklassiker “Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens” von Friedrich Wilhelm Murnau aus dem Jahre 1922. Der Film, “einer der wichtigsten Filme der deutschen Filmgeschichte”, laut des international erfolgreichen deutschen Filmregisseurs Werner Herzog, wurde in einer beeindruckenden Qualität auf Münsters größter Leinwand gezeigt. Mehr zu diesem Event mit einer ausführlichen Kritik auf mehrfilm.de. Hier ein paar Eindrücke mit bewegten Bildern von diesem Abend.

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Die Your Gig Konzertreihe. War da was?

Your-Gig LogoVertrauen ist eine notwendige Illusion” hat der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche einmal gesagt. Betrachtet man aktuelle Umfragen zum Thema “Medien und Journalismus in Deutschland”, wie zum Beispiel die jüngste forsa-Umfrage zum Thema (in Auftrag gegeben von der Akademie für Publizistik in Hamburg), scheint Nietzsches These in dieser Hinsicht auch heute noch aktuell. Wie gewinnt man – und vor allem wie behält man dann – das Vertrauen seiner LeserInnen, wenn es nicht vorhanden ist? Ich würde darauf antworten, durch mehr Transparenz und eine ehrliche, gut recherchierte und vor allem hinreichende Berichterstattung. Positivbeispiele gibt es dafür viele (Die ZEIT, Der Spiegel, etc.). Deshalb an dieser Stelle dazu ein Negativbeispiel.

Die Konzertagentur “Your Gig”, eine Abteilung der gleichnamigen Unternehmensgesellschaft mit Sitz in Bonn, veranstaltet seit 2008 eine Konzertreihe mit Namen… genau “Your Gig”. In zahlreichen Städten in NRW können junge Bands ihre Musik live einem größeren Publikum vorstellen. Talentförderung 2.0 sozusagen. Seit 2010 ist als Austragungsort auch die Stadt Münster (Café Sputnik) mit dabei. In Vor-, Zwischen-, Haupt- und Endrunden darf das anwesende Publikum per Handzettel über den weiteren Verbleib der Bands in dem Contest abstimmen. Das Clevere daran: Mit der Erststimme wird die Band gewählt, wegen der man gekommen war und mit einer Zweitstimme wird eine zweite Band “bestimmt”, die man vielleicht zuvor noch nicht kannte.

Der Erfolg gibt den Veranstaltern Recht. Das Konzept kommt an. Aber braucht das Land neben den zahlreichen “Sanges-Contesten” (“DSDS”, “Your Voice”, “X-Factor” etc.) jetzt auch noch einen Band-Contest? Der entscheidende Unterschied ist hier das Konzept. Während in anderen Wettbewerben die Gewinner anschließend vom Veranstalter vermarktet werden (Knebelverträge inkl. Auftritte in bestimmten Medien), übernimmt die “Your Gig Agentur” lediglich das Event Management für eine Konzertreihe mit der Gewinnerband, die “Your Gig Special Shows”. Eine Win-Win-Situation für Künstler und Veranstalter also.

Zweitplazierte Band Good Morning Fire Eater

Zweitplaziert in Münster: "Good Morning Fire Eater"

In Münster stieß diese Möglichkeit, seine Kunst/Musik einem größeren Publikum vorstellen zu können, auf ein großes Echo. Die sehr aktive Münsteraner Bandszene (Über 200 Bands auf Muensterbandnetz.de) nahm das Angebot dankend an. In zahlreichen (sehr gut besuchten) Konzertrunden wurde am 11.11. in der Sputnikhalle der Stadtsieger gekürt. Und, was konnte man darüber in den Lokalnachrichten erfahren? Gar nichts! Stillschweigen. Wieder einmal hatten es die Lokalredakteure in Münster verpasst, eine Steilvorlage aufzunehmen für eine junge, lokale Berichterstattung über ein Thema, das die Jugend bewegt. Gelegenheit verpasst, Chance vertan! Ein weiterer Nagel für den Untergang des lokalen (Print-)Journalismus hatte sich damit in den schon lange dafür bereitstehenden Sarg gebohrt.

Your Gig Gewinner 2011 in Münster t*fd*s

Your Gig Gewinner 2011 in Münster, "t*fd*s"

Die Jugend ist als möglicher neuer Leserkreis längst verprellt. Die zahlreichen TeilnehmerInnen/BesucherInnen der Konzertreihe bedienen sich schon lange anderer Medien. Das belegen viele Studien. Die Gewinnerband 2011, die vom Publikum auserwählte, hervorragende Punk-Rock Band “t*fd*s” aus Münster, drei Jungs, die die Sputnikhalle zum Kochen brachten (Motto: “Wenn ihr nicht schwitzt, haben sie etwas falsch gemacht”), wird im April in Köln um den Gesamtsieg spielen. Neben der Steigerung des Bakanntheitsgrads winken zahlreiche Preise, wie zum Beispiel kostenlose Studioaufnahmen. Für das nächste Jahr haben sich erneut zahlreiche Bands aus Münster angemeldet. Vielleicht ist im nächsten Jahr irgendetwas darüber in der Lokalzeitung zu lesen. Oder in einer Fotogallerie zu sehen. Die Jugend wird das weniger interessieren. Sie hat das Vertrauen in guten Lokaljournalismus längst aufgegeben. Eine Illusion, die schon nicht mal mehr “notwendig” ist.

MiMi in Münster

Mimi Mueller-Westernhagen im Gleis 22 in MünsterSie ist jung, geboren 1985 in Twickenham/GB. Und sie ist hübsch, Typ Twiggy, aufgewachsen in London, mit einem besonderen Markenzeichen: verlängerte Wimpern. Obwohl sie eigentlich Sarah Reema Westernhagen heißt, nennt sie sich nur MiMi. MiMi wer? Westernhagen? Richtig! Auch wenn die junge Künstlerin nur MiMi genannt werden will, ist auf jeder Ankündigung zu ihren Konzerten stets zu lesen, dass sie die Tochter des “großen” Marius Müller-Westernhagen ist. Ein Fluch? Wohl mehr ein Segen. Nach ersten musikalischen Gehversuchen mit ihrer Band “Battlekat”, hat sie sich 2009 von den meisten Mitgliedern losgesagt (bis auf ihren Ex-Freund Rob, Bassist der Band, der sie auch heute noch begleitet) und versucht sich nun als Solo-Künstlerin. Ihre erste Solo-CD “Road To Last Night” nahm sie in Hamburg auf, da lebt auch ihr Vater mit seiner neuen Fau Romney. MiMis erste CD erschien im Juli, wenig später kam sie mit ihren neuen Songs ins Gleis 22 nach Münster.

Früher hat MiMi als Model gearbeitet, 2009 wollte sie sogar der Playboy für eine Titelstory mit ihrem stolzen Vater. Beide haben “Ja” gesagt. Sie ist das Rampenlicht also gewöhnt. Auf der Bühne in Münster wirkt sie jedoch überraschend schüchtern. Ihre Kleider entwirft sie selbst. Am Abend im Gleis trägt sie ein geblümtes Top mit einer gepunkteten, braunen Stoffhose. Noch vor dem ersten Song stellt sie sich kurz vor: “Hello, I´m Mimi!” Das klingt nicht nur irgendwie niedlich, das wirkt auch so. Im gut gefüllten Gleis trägt sie ihre sehr ungekünstelten, ehrlichen Pop-Songs vor. Leicht, verspielt, melodisch. Das Ganze erinnert ein wenig an einen Mix aus Katie Melua (ohne die Melancholie) mit einer kleinen Prise Vampire Weekend.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=Lzc3ABu5OmY[/youtube]  Zu den Songs schaut MiMi an die Decke, selten ins Publikum und sehr oft auf ihre Band. Sie liebt ihre Band. Und ihre Band erwidert diese Liebe. Alle sind sehr jung. Die Liebe zur Musik (aller Beteiligten) spürt man aber, bis in die letzte Reihe. Das etwas Ungelenke, mit dem sie beispielsweise ihre Arme bewegt oder fahrig nach der richtigen Haltung auf der (viel zu großen) Gitarre greift, ist ungewöhnlich. Das kann sie nicht von ihrem Vater haben. Marius Müller-Westernhagen war/ist ganz anders, eine, wie man so schön sagt “Rampensau”. MiMi ist alles andere als das, davon ist bei ihr nichts zu spüren. Ja, manchmal fällt vielleicht der Apfel doch etwas weiter vom Stamm.

In diversen Interviews wird sie natürlich immer wieder auf ihren Vater angesprochen. Vor allem in Deutschland. Und was sagt ihr Vater Marius zu ihrer Musik? “Wir haben da so eine Abmachung“, antwortet sie meist, “wir sprechen nie über Musik oder das Business. Ich will meine eigenen Erfahrungen sammeln. Das wäre sonst so, als würde man bei einem Krimi die letzte Seite zuerst lesen. Und das ist doch Blödsinn.” MiMi trinkt nicht, sie raucht nicht, meidet Menschenmassen und hat auch sonst wenig von einem Rock´n´Roller. “Ich sehe mich gar nicht als professionelle Musikerin. Ich bin eher eine Künstlerin“, ist in anderen Interviews über sie zu lesen. Die Münsteraner goutieren die leichten Klänge an diesem schönen Sommerabend mit warmem Applaus. Vielleicht fehlt ihr noch ein wenig Eigenständigkeit. Ihr Vater könnte da sicherlich ein paar Tipps geben. Wenn sie will.

 

Tim Neuhaus im Gleis22 in Münster

Tim Neuhaus

Tim Neuhaus Videoshoot (Photo: Media Tim-Neuhaus.de)

Tim Neuhaus strahlt. Er kommt auf die Bühne und die Sonne geht auf. Smart ist er, ein Charming-Boy, der seine Freude zur Musik mit jeder Faser seines Körpers zum Ausdruck bringt. Mit “Hallo, schön, dass ihr alle gekommen seid” begrüßt er im gut gefüllten Gleis 22 in Münster diejenigen, die ihn schon kennen und diejenigen, die ihn noch kennenlernen wollen. Gewisse äußerliche Ähnlichkeiten mit Musikern wie Peter Fox oder Ferris MC (Sascha Reimann) sind nicht von der Hand zu weisen. Rote Haare, Bart. Doch die Musik, die er aus seiner neuen CD “The Cabinet” dem Publikum vorstellt, ist eine andere. Kein HipHop, kein Reggae, sondern melodiöser Singer-Songwriter-Pop auf Englisch. Mit viel Gefühl, viel Kraft und zahlreichen Breaks in den Vierteltakten. Rhytmisch prägnant und pointiert.

Es gibt zahlreiche kleine Überraschungen in den Songs vom Tim Neuhaus. Da verwundert es nicht, dass er vom Schlagzeug kommt. Das hört man. Und live kann man es sehen. Klatschend, schnippend, Oberkörper vor und zurück, so begleitet Tim Neuhaus seine Songs auf der Bühne. Vor fünfzehn Jahren, 1996, war der in Hagen aufgewachsene Musiker nach Weimar gezogen, um an der Hochschule für Musik Schlagwerk zu studieren. Nach seinem Studium bekam er ein Engagement bei der Blue Man Group in Berlin und von 2001 bis 2004 begleitete er den deutschen Musiker Clueso in seiner Liveband – als Schlagzeuger.

Seit 2005 ist der heute 31jährige Musiker solo unterwegs. Als Thees Uhlmann, unter anderem einer der Chefs der Plattenfirma Grand Hotel van Cleef (GHvC), in 2010 den Musiker sichtete, nahm er ihn unter Vertrag. Da das GHvC-Label bereits zahlreiche Singer-Songwriter unter Vertrag hat, kam den Verantwortlichen erst einmal eine “Bandplatte” in den Sinn. “The Cabinet” – so der Titel der aktuellen CD, heißt auch die Band, mit der Tim Neuhaus zur Zeit auf Tour ist. Doch die Musiker halten sich zurück und sorgen bestenfalls für den richtigen “Klangteppich”.

Die Vorbilder des deutschen Songwriters wie Bob Dylan, Phoenix (von denen er live auch einen Song anstimmt), Radiohead und vielleicht auch Clueso sind nicht überhörbar. Vor allem nicht in der ersten Auskopplung aus “The Cabinet”, dem tollen Song “As Life Found You”, mit dem er sich zum ersten Mal von der Bühne im Gleis 22 in Münster verabschiedete. Der Song mit sicherlich großen Ohrwurm-Qualitäten, von einem einprägenden Delay unterstützt, erzählt vom Ende einer Beziehung. “Even if I call you less now it’s not that I don’t care.” Tim Neuhaus schließt seine Augen, er geht einen Schritt zurück, sucht seine Musiker und – er lächelt.

Tim Neuhaus & The Cabinet – Troubled Minds from Grand Hotel van Cleef on Vimeo.

Der sechste Spieltag..

Immer wenn es ganz vertrackt wurde hieß es: “Panem et circenses”. Brot und Spiele für das Volk. Und auch wenn es sonst nichts zu lachen gibt, wenigestens die Fußballstadien sind voll. Manchmal braucht das Volk halt etwas Ablenkung. Hannover hat leider verloren, Schalke nur 1:1 gegen Nürnberg aber Hertha, unsere Hauptstadtmanschaft, hat gewonnen. Na, immer hin.