Das war´s, eBay!

ebay-logo-02Das US-amerikanische Internetauktionshaus dürfte den meisten bekannt sein. Hinter eBay verbirgt sich das kalifornische Unternehmen eBay inc., gegründet im September 1995. Der Umsatz von eBay betrug im Jahr 2014 4,34 Milliarden US-Dollar, Gewinn vor Steuern 653 Millionen US-Dollar. Tendenz steigend. Auch mein Geld ist in diesen über 4 Milliarden US-Dollar enthalten. Denn auch ich habe die Dienstleistungen des Internetauktionshauses und auch dessen Transaktionspartners paypal in Anspruch genommen. Bis heute.

Es ist aber auch zu verlockend: Durch die weltweite Bekanntheit von eBay und die kinderleichte Handhabung beim Kauf und Verkauf von Produkten bzw. bei der Er- und der Versteigerung von Waren wie beispielsweise Kindermöbel, Kleidung oder Hifi-Elektronik konnte man(n) stets davon ausgehen, dass der erzielte Preis bei einer erfolgreichen Er- oder Versteigerung zumindest zur vollen Zufriedenheit ausfiel. Voraussetzung: man(n) hatte sich einigermaßen “marktkonform” verhalten, das heißt, seine Produkte beim Verkauf / bei der Versteigerung ausreichend präsentiert, sprich beschrieben, mit guten Photos und zu attraktiven Zeiten (bei einer Versteigerung) online gestellt. Beim Kauf oder der Ersteigerung eines Produktes profitiert der Käufer von den mittlerweile unzähligen gewerblichen Anbietern auf der Auktionsplattform sowie durchaus auch von den Fehlern, die unerfahrene private Verkäufer/Anbieter (falsche Zeiten bei Auktionsende, unvollständige Beschreibungen des Produktes etc.) machen.

statistic_e-commerce-umsatz-in-deutschland-bis-2014So weit, so praktikabel. Sichtwechsel. Der E-Commerce, sprich der Kauf und Verkauf von Waren und Produkten über das Internet, boomt. Auch in Deutschland. Ein Ende dieser Entwicklung? Nicht abzusehen. Internetauktionshäuser wie eBay profitieren davon. Immer mehr Haushalte sind vernetzt, immer mehr “digital immigrants” (Internet-Anwender ab Jahrgang 1982 und älter) verkaufen ihren Dachbodenfund, das alte Fahrrad oder die Filmkamera übers Internet. Für eBay ein tolles Geschäft. Denn das Einstellen und den Vertrieb regelt der Verkäufer am PC.

Doch wo so viel Geld umgesetzt wird, gibt es meistens auch Trittbrettfahrer. Profiteure, die gerne ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Wenn es schon nicht mit dem selbst erarbeiteten Know-How oder im eigenen beruflichen Fahrwasser funktioniert. Kriminelle oder Rechtsanwaltskanzleien beispielsweise. Das Jahr 2014 war für diese Klientel ein Schlüsseljahr. So hat beispielsweise der BGH in Karlsruhe in einem Urteil entschieden, dass bereits mit dem ersten Mausklick auf einen zu ersteigernden Artikel dieser Artikel als “verkauft” gilt. Im Sinne des Käufers. Fehlerhafte Angaben im Text, zu niedrige Startpreise, falsche Zeitangaben, verloren oder kaputt gegangene Artikel? Pech gehabt. Eingegeben ist eingegeben.

“Firmen” wie Defe-Trade von Dennis Bertram oder Rechtsanwaltskanzleien wie Hoffmeyer in Hannover sind Profiteure dieser kleinen Fehler, Missgeschicke, die immer mal wieder passieren können. Ich kann ein Lied davon singen. Bei Rücknahmen von Angeboten durch fehlerhafte Angaben und/oder defekte Ware hagelt es Abmahnungen. Beispiele oder ähnliche Fälle gibt es reichlich. Und die Abmahner bekommen ihr Recht. Mit Recht? Nach einem “verschollenen” Smartphone, verloren gegangen auf dem (DHL-)Versandweg, sowie einem zerstörten Produkt, auf das schon geboten wurde, und das ich zurückziehen musste, bekam ich eine Abmahnung.

Kein Einzelfall. Somit hat für mich die Internetauktionsplattform eBay als verantwortlicher Dienstleister mein Vertrauen verloren. Bei eBay gibt es für derlei Fälle nur wenig Schutz. Und die nächste Abmahnung bei zurückgezogenen Angeboten (durch Zerstörung oder eine fehlerhafte Eingabe) wartet schon. Viele Rechtsanwaltskanzleien freuen sich auf deinen nächsten Fehler. Und die Schwelle wird immer niedriger. Das war´s für mich, eBay! Auch bei deinen Kleinanzeigen übrigens!

Ägypten im Dezember

IMG_5997Am Ende eines Jahres das Weite suchen? Wenn der Bekannten-, Kollegen-, Freundes- und/oder Familienkreis in die Jahresend-Planung geht? Sprich, die Festtage vorbereitet, sich abends auf einen Glühwein trifft und/oder sich auf die kommenden Weihnachts-feierlichkeiten freut? Undenkbar.  Eigentlich. Aber wer oder was ist schon “eigentlich”? Ich habe es dennoch getan. Und war weg. Fünfzehn Tage lang. Nach diversen privaten Veränderungen brauchte ich eine Auszeit. Eine dringend verordnete Auszeit. Als Wassersportler sollte es ans Meer gehen, natürlich mit Sonnengarantie. Zu humanen Preisen. Thailand, Kanaren, Südafrika? Zu teuer. Zu weit weg. Die Lösung? Ägypten. Rotes Meer. An dieser Stelle (m)ein kleiner Erlebnisbericht.

Flug ab Düsseldorf mit Condor nach Hurghada. Gebucht über cheaptickets.de (in Holländischer Hand). So viel zu meinen Entscheidungen. Wer zwei bis vier Tage vor und nach seinem Wunschzeitraum flexibel (bei Hin- und Rückflugtermin) ist, der kann eine ganze Menge Geld sparen. Denn wer nicht unbedingt von Samstag bis Samstag reisen muss/möchte/will, für den sind Ersparnisse allein beim Flug bis zu 30 Prozent drin. Und wer zudem entspannt(er) reisen will, der investiert ein paar Euro mehr und reserviert einen Sitzplatz. Es lohnt sich!

Auch eine Ankunftszeit VOR Sonnenuntergang ist immer sinnvoll, denn in 4.000 Kilometer Entfernung ist man(n) auch froh, wenn der Tag im Dezember irgendwann schnell vorbei ist. Stichwort: Nebensaison. (P.S.: In Ägypten ist es im Dezember um 17 Uhr dunkel.) Nach zahlreichen, gut organisierten Reisen vor und während meines Studiums (u.a. Australien, Brasilien, USA) empfing mich der Nahe Osten sprichwörtlich wie die Jungfrau das Kind: unbefleckt. Ich hatte zuvor weder in Reiseführern gewälzt noch Freunde oder Bekannte befragt (wer befragt schon in der Vorweihnachtszeit seine Freunde: “Du, ich fliege nächste Woche nach Ägypten, kannst Du…”). Lediglich ein paar Foreneinträge auf Surf-Seiten gaben mir die wichtigsten Dinge mit auf den Weg:

Punkt 1: Reisepass und Visum. Eine Reise in den Nahen Osten ohne Reisepass ist nicht möglich. Und die Beantragung eines Reisepasses in deutschen Einwohnermeldeämtern dauert. Also, am besten mindestens drei Wochen vor Reiseantritt einen Reisepass besorgen! Mitzubringen sind der alte Pass bzw. der Personalausweis und ein Biometrie-geeignetes Passbild. Die Kosten für einen neuen Pass liegen je nach Alter bei 37,50 Euro (bis 24 Jahre) oder 59,00 Euro. Ein Reisepass im Expressverfahren (mind. drei Tage) kostet zusätzlich zu den 59 Euro noch einmal 32 Euro. Vor Ort in Ägypten wird ein Visum benötigt, Kostenpunkt 25 Euro, das in den Reisepass eingeklebt wird. Ein Service, den gerne zahlreiche Ägypter vor Ort erledigen. Wer allerdings den Stress am Ankunftsflughafen vermeiden will, der bestellt sein Visum beim Reiseveranstalter oder bei der Hotelreservierung im Vorfeld.

IMG_20141207_085339Punkt 2: Temperaturunterschied. Wer im Dezember aus Deutschland in die Sonne fliegt, der trägt bei Abflug (hoffentlich) MEHR als ein Strand-Outfit. Und wer im Dezember nach Ägypten fliegt, der trägt vor Ort (hoffentlich) WENIGER als einen Ski-Overall. In Ägypten liegen die Durchschnittstemperaturen im Dezember tagsüber zwischen 20 bis 24 Grad. In Deutschland liegen sie bekanntlich deutlich darunter. Hier empfiehlt sich der bekannte “Zwiebel-Look”, sprich mehrere Schichten, denen man sich nach und nach entledigen kann. Aus diesem Grund ist ein wenig “Extra-Platz” im Handgepäck sehr sinnvoll.

Punkt 3: Fliegen, Mücken, Insekten. Wohl nur versierte Flugmeilensammler, Tropen-Experten und/oder Hochleistungssportler haben kein Problem damit, wenn innerhalb von fünf (Flug)Stunden die Außentemperatur um mehr als 20 Grad steigt. Ich gehöre zu keiner dieser Gruppen. Sprich, ich hatte ein Problem mit den gestiegenen Außentemperaturen. Meist ist Schwitzen die Folge, worüber sich die lokalen Fliegen, Mücken und Insekten sehr freuen. Eine Freude, die Apotheker vor Ort teilen. Denn zuhauf werden für (horrende) kleine Beträge bekannte Salben und/oder Insektensprays zum Verkauf an gebeutelte Europäer angeboten. Ergo, ein Insektenspray sowie eine Insektensalbe ist (im Vorfeld) eine gute Investition.

Punkt 4: Geld tauschen. Nein, die ägyptische Währung lautet nicht Euro. In Ägypten zahlt man mit dem ägyptischen Pfund. Im Dezember 2014 lag der Wechselkurs etwa bei 1:9. Also 9 ägyptische Pfund bekam man für einen Euro. Der Umtausch vor Ort ist kein Problem. In fast jedem größeren Hotel am Roten Meer steht ein Geldautomat, der nach Eingabe einer EC-Cash, Master- oder Visa-Card, Liquidität vorausgesetzt, Bargeld ausspuckt. Auch nette Geschäftsleute vor Ort tauschen gerne die mitgebrachten Euro in ägyptische Pfundnoten. Und gut beraten sind die, die den genauen Wechselkurs kennen, im besten Fall schriftlich vorlegen können.

Punkt 5: Handeln. Eine genaue Preis-Etikettierung nach europäischen Maßstäben wird der Einzelhandel-erprobte Reisefreund vor Ort nicht vorfinden. Auch in entlegenen Supermärkten, Apotheken oder Souvenir-Shops sucht man die Preisangaben in den meisten Fällen ohne Erfolg. Wer also meint, dass beispielsweise 200 Pfund für Zahnpasta oder ein einfaches Halstuch zu viel sind, der darf durchaus sein Unverständnis darüber ausdrücken und einen anderen Preis nennen. Auch beim Taxifahrer, Zeitungsverkäufer, Tagestouren-Anbieter, … Denn der Handel gehört zum Alttag im Nahen Osten.

IMG_5990_2Punkt 6: Pizza-Hawaii. So blöd das jetzt klingt, aber wer in Ägypten eine Pizza-Hawaii bestellt, der darf sich zumindest in den Unter-Fünf-Sterne-Hotels nicht wundern, wenn auf der Pizza “nur” Tomatensauce und Ananas liegen. Ich habe es selbst erlebt: Ein gut situiertes älteres Ehepaar aus Moskau (eine Nationalität, die man nach Aussagen der Hotelbediensteten sehr oft antrifft am Roten Meer im Dezember) beschwerte sich über den fehlenden Schinken auf ihrer Pizza. Was sie anscheinend nicht wussten: Etwa 90 Prozent der Einwohner Ägyptens bekennen sich zum sunnitischen Islam. Das islamische Recht, die Scharia, ist seit 1980 die Hauptquelle der Gesetzgebung. Und Schweinefleisch ist streng verboten! Fleischverzicht: Ideal also (nicht nur) für diejenigen Urlauber, die dringend mal wieder ein paar fleischlose Tage verbringen woll(t)en.

Soweit zu den Tipps vor und nach (m)einer Reise ans Rote Meer. Nicht weiter eingehen möchte ich auf die atemberaubenden Sandwüsten, so weit das Auge reicht, auf die Jahrtausend alten Pyramiden, auf die stets offene, hilfsbereite und zuvorkommende Bevölkerung, auch wenn man nicht mit den Euro-Noten wedelt, auf die glasklaren, knietiefen Küstenstreifen, auf die unzähligen Tauch- und sonstigen Wassersport-Möglichkeiten und nicht zuletzt auf das hervorragend verlässliche und stabile Wetter in Ägypten. Ein Gentleman genießt und schweigt – zu einem wunderbaren Land, das sich jüngst von einem Diktator befreit und eine Revolution erfolgreich organisiert und hinter sich gebracht hat. Ein Land, das nicht nur im Dezember jede Reise wert ist.

Warum ich nicht über die Elternzeit gebloggt habe

Geteiltes Mutterglück. Kerstin Beer in der "c´t" (04/2013)

Geteiltes Mutterglück. Kerstin Beer in der “c´t” (04/2013)

Unser erstes Kind, ein Sohn, ich nenne ihn hier mal “Max”, kommt am 21. April 2012 zur Welt. Meine Frau ist Lehrerin, ich arbeite als freiberuflicher Journalist, Berater und Dozent. Da wir beide aus “klassischen” Familienverhältnissen kommen, also Vater Hautpversorger, Mutter Hausfrau, wurde das Partnerschaftsmodell bereits lange vor der Geburt neu ausgehandelt. Denn recht früh war für uns klar, dass wir beide vor allem in den ersten Jahren viel mehr Zeit mit unserem Sohn verbringen wollten bzw. sollten als unser jeweiliger Vater mit uns. Sprich von null auf mindestens fünfzig Prozent. Die ersten zwölf Monate hat meine Frau unser kleines Zuhause mit unserem Sohn beansprucht, die nächsten vier Monate bis zur Tagesmutter wollte ich bei meinem Sohn sein. Eine tolle Vorstellung. Und warum diese Zeit nicht gleich mit einem Blog begleiten? Das machen andere doch auch? Doch dann kam alles ganz anders…

Bereits vor der Geburt unseres Kindes habe ich zahlreiche Blogs an-/gelesen und mich auf Ratgeber-Seiten getummelt. Etliche Bücher und Ratgeber, die man noch in den Händen halten kann, füllten unsere Regale. Das kennen viele andere Eltern wohl auch. Doch dann diese Fragen: Wo haben die nur alle die Zeit für´s “Nebenherschreiben” her? Schreiben in den Schlafpausen? Oder noch am Abend nach dem Zu-Bett-bringen? Stets gab es zudem dieses Unbehagen. Was ist, wenn mein Sohn lesen kann? Wenn er erst in der Schule ist und von seinen Freunden und/oder Mitschülern auf die Erlebnisse und Eindrücke seines Vaters angesprochen wird? Das Internet vergisst nie! Diese Worte kamen mir immer wieder in den Sinn.

Schlafentzug, volle Windeleimer oder die ersten Schritte als Foto-Story für die Öffentlichkeit? Klingt furchtbar. Das wollte ich mir, meinem Sohn und meinem Facebook-Profil sowie vor allem meinen Freunden nicht antun. Den letzten Kick gab dann ein sehr lesenswertes Editorial von einer Redakteurin der geschätzten “c´t” aus Hannover (siehe Bild oben). Ihre Worte setzten ein Stopp-Schild vor meine “Blog-Pläne”. Eine gute Entscheidung. Keine Präsentation von unschuldigen Online-Opfern, die sich nicht wehren können. Und ich bin bis heute froh über jede Frage, über jedes Staunen, über jede Hilfestellung aus dem Freundeskreis, das bzw. die nicht schon im Vorfeld über einen Blog abgearbeitet wurde. Und mein Sohn wird es mir danken. Da bin ich mir sicher!

Elternzeit, die zweite!

Kinderwagen vor Computertastatur

Photo @Silke Kaiser / pixelio.de

Am Tag des ersten Geburtstages von unserem Sohn hat meine Frau ihre Schultasche gepackt. Als Lehrerin an einem Gymnasium geht es für sie nun wieder in den täglichen Schuldienst. Ein weiterer Neuanfang für die ganze Familie. Bis zur Tagesmutter im August werde ich die Betreuung unseres Sohnes übernehmen. Eine spannende Aufgabe. Denn ich bekomme nicht nur alle wichtigen Entwicklungsschritte (Laufen lernen, Handlungen umsetzen, gezieltes Greifen) mit sondern darf in der Zeit auch den Übergang vom Baby zum Kleinkind verfolgen und dokumentieren. Aus diesem Grund verschieben sich die Prioritäten. Blogeinträge, Beratungstermine und das Telefon sind erst einmal nicht so wichtig. Ich hoffe, Du/Sie hast/haben dafür Verständnis.

Qualitätsjournalismus?

Screenshot zum Artikel Echo Preisverleihung 2013 Spiegel OnlineTagesaktueller Journalismus ist ein hartes Geschäft. Ich weiß, wovon ich rede. Deshalb sollte ich an dieser Stelle im Hinblick auf das schwierige Tagesgeschäft nicht an den Qualitätsjournalismus erinnern. Auch nicht in Bezug auf das derzeitige unangefochtene Leitmedium Spiegel Online. Aber ich muss ganz kurz ein wenig Luft ablassen. Und an die Qualität erinnern. Zudem werden die Verantwortlichen des betreffenden Online-Nachrichtenmagazins gerne und oft zitiert, wenn es um “Qualitätsjournalismus” geht (allein die Google-Suche liefert dazu über 100 Einträge).

Stein meines Anstoßes ist ein Spiegel Online-Beitrag zu der gestrigen Echo-Verleihung. In seinem Artikel “Drei Stunden deutscher Glamour“, der auf den Sozialen Netzwerken mehr als 200 Mal verlinkt und auf der Artikelseite selbst über 60 Mal (Stand Freitag 13 Uhr) kommentiert wurde, bleibt einiges im Unklaren. So schreibt der Autor Tim Caspar Boehme zum Beispiel zur (bereits im Vorfeld kontrovers diskutierten) Ausladung der Band Frei.Wild: “Unterstützung bekamen sie von der NPD, die eine Mahnwache für Frei.Wild ankündigte. Zur feierlichen Veranstaltung am Donnerstag erschienen einige Fans der mutmaßlich rechten Band an den Berliner Messehallen.” Hmm. Fällt da niemandem etwas auf? Da bleiben doch meiner Meinung nach einige Fragen offen. Zum Beispiel: Was ist eine rechte Band? Was ist aus der angekündigten Mahnwache der NPD geworden? Und vor allem wieviel sind “einige Fans”? Geht es da bitte etwas detailierter bzw. genauer? Sind es drei, vielleicht dreißig oder gar dreihundert?

Weiter im Text wird die Moderatorin dazu ins Spiel gebracht. Und zwar mit den Worten: “Helene Fischer, die Moderatorin des Abends, erwähnte Frei.Wild verständlicherweise mit keinem Wort.” Warum verständlicherweise? Wäre es nicht die Pflicht der Moderatorin gewesen, kurz auf den Sachverhalt einzugehen und dazu Stellung zu nehmen? Das sieht der Autor des Artikels anscheinend anders. Auch mit den teilnehmenden KünstlerInnen hat er so seine Probleme: Die Amerikanerin Lana del Rey beschreibt er mit den Worten “juvenile Nostalgie-Pop-Ikone”. Über diese Bezeichnung dürfte sich allein die New Yorkerin selbst freuen. Sollte Sie den Artikel übersetzt bekommen. Immerhin hat die “juvenile” 26-jährige, die mit richtigem Namen Elizabeth Grant heißt, ihren “Ikonenstatus” wodurch erreicht? Durch bislang ein Album auf dem Markt?

Auch in Punkto Verteilung der Preise gab es einige Unklarheiten. So schrieb Tim Caspar Boehme über eine Verleihung: “In dem fast dreistündigen Fernsehelend – es galt 27 Kategorien durchzuhecheln -, überraschten gelegentliche erfrischende Wendungen. So konnte Harold Faltermeyer als Laudator…” Stop. Fernsehelend? – Warum? Erfrischende Wendungen? Etwa von links nach rechts? Oder “von vorhersehbar zu unvorhersehbar”? Und wenn Letzeres, welche Vergabe war vorhersehbar und warum?

Nein, mit den Verben, Adjektiven und Mutmaßungen hat sich der Autor des Artikels ein ums andere Mal – um es vorsichtig zu formulieren – vergriffen. Nicht, dass ich an dieser Stelle missverstanden werde. Nichts liegt mir ferner, als Kollegen zu kritisieren oder zu beleidigen. Zudem habe ich ihn zahlreichen Artikeln und Tätigkeiten immer wieder auf die hervorragenden Artikel von Spiegel Online verwiesen. Aber diese Bezeichnungen, Mutmaßungen, Halb-Informationen haben mit “Qualitätsjournalismus” nur sehr wenig zu tun. So, das musste jetzt kurz einmal raus.