Leben ohne Fernseher

Veränderungen von außen nach innen. Das war einer der Vorsätze von meiner Frau und mir für das neue Jahr. Ein Vorhaben, das mit diesem Vorsatz zusammenhängt, stand schon viel länger auf unserer Agenda: Raus mit dem Fernseher! Der Freundeskreis, der lange vor dem Jahreswechsel über dieses Vorhaben informiert wurde, reagierte auf unsere Ankündigung immer gleich: Kopfschütteln. Und schließlich sorgten unsere Zweifel gepaart mit ihren Reaktionen bis heute für einen Aufschub dieses Vorhabens: In allen Gesichtern stets der gleiche Ausdruck: Fragend. Nie zustimmend. Selten aufmunternd. Fragend. Bild einer TV-Bank, auf der der Fernseher verschwunden istWarum? Wie soll das gehen? Als Kulturfan. Als Filmfan. Als Sportfan? Ohne Fernseher? Und deine Lieblingsserie? Die Sportschau? WIE das geht und vor allem WAS passiert, das wissen wir selber noch nicht so genau. Gründe könnten wir mehr als drei für unsere Entscheidung anführen: Die Geburt des Sohnes, das schlechte Programm, die verlorene Zeit, die fehlende Zweisamkeit, die Qualität der gewonnenen Zeit u.s.w.. Sich nicht mehr “berieseln” oder “verleiten” lassen. Weniger Werbung, weniger Konsum. Vielleicht ein besserer Mensch werden.

Am letzten Wochenende stand der Platzhalter parat und unser Fernseher wurde zunächst in den Keller verabschiedet. Dann war es plötzlich ruhig. Sehr ruhig. Ich schreibe an dieser Stelle darüber, weil ich diese Umstellung hier begleiten möchte. Wir wissen nicht, ob die Umstellung klappt. Aber je mehr davon wissen, umso höher wird der Druck, durchzuhalten. Vielleicht gibt es ja sogar Gleichgesinnte? Oder noch Unentschlossene? To be continued…

Nie wieder Telekom – Fehlstart ins neue Jahr

Haende auf Laptop-TastaturDas Jahr hatte so gut angefangen: Crepes, Sekt und Jonglage bei Freunden, Entspannung bei den Schwiegereltern und ein sicherer Heimweg Dank schnee- sowie eisfreier Straßen bei angenehmen Temperaturen. Zuhause dann das: Beim ersten Internet-Download-Vorgang bricht die Leitung zusammen. Kein Anschluss (mehr) unter dieser Nummer! Ein Drama. Als Besitzer des Entertain-IP-Paketes von der Telekom heißt das: Ohne Internet-Zugang steht auch das Telefon still, Surfen ist natürlich nicht mehr möglich und erst Recht kein Download der EPG-Daten für den Entertain-Receiver. Das hatte ich mir im „besten Netz in Deutschland“ ganz anders vorgestellt. „Herr Gertz, mit dem Entertain-IP-Paket können Sie nichts falsch machen“ hatte mir der nette Telekom-Berater im Februar des letzten Jahres noch stolz versprochen. Und genau darauf hatte ich mich nach zwei Jahren Vodafone gefreut. Doch mit dem neuen Vertrag nahm unser Drama mit dem ehemaligen Staatskonzern seinen Lauf. Die Geschichte in sechs Akten:

1. Akt: Mit dem Wechsel von Vodafone zur Telekom gibt es bereits den ersten Ärger: Die Portierung der drei Festnetz-Nummern verzögert sich. Und zwar so lange (6 Wochen), dass die Bundesnetzagentur meine alten Nummern für den Markt freigibt. Ich erhalte von der Telekom ein Entschuldigungsschreiben und drei neue Telefonnummern. Visitenkarten, Impressum und vieles mehr werden daraufhin geändert.
2. Akt: Stichwort: Wiedergutmachung bzw. Servicebereitschaft. Wer einen Handy-Vertrag und einen Festnetzanschluss von der Telekom hat, der erhält eine monatliche 5,- Euro Gutschrift auf den Vertrag seiner Wahl. Jedoch erst auf eigene Nachfrage.
3. Akt: Fehlersuche. Nach dem „Zusammenbruch“ der Leitung empfiehlt mir die Kundenbetreuung der Telekom, den Fehler bei der Hardware, sprich beim Speedport-Router, zu suchen. Ich lasse mir einen neuen schicken. Vier Tage später sieht ein anderer Kundenbetreuer auf seinem Monitor, dass der „Durchgang“ durch meine Hausleitung viel zu gering ist. Sprich, ich wurde beim ersten Anruf schlichtweg veräppelt, mit anderen Worten hingehalten. Eine weitere Kundenbetreuerin hatte mir später sogar die Montage eines Splitters empfohlen. Auch dieser Vorschlag wurde umgesetzt, versprach aber keinen Erfolg und wurde sogar vom Telekom-Techniker später belächelt.
4. Akt: Der Telekom-Techniker, der erst nach vier Tagen von der Kundenbetreuung angefordert wird, erscheint weitere drei Tage später vor Ort. Meine Leitung ist inzwischen 6 Tage tot.
5. Akt: Der sehr nette Telekom-Techniker Herr Rossmann bemüht sich nach Kräften, den Fehler zu finden. Er glaubt an einen Kurzschluss in der Leitung vom Verteiler zur Wohnung und legt eine neue, provisorische Leitung über den Balkon. Die „Operation“ dauert drei Stunden. Die Telefonbuchse befindet sich jetzt an einem anderen Platz. Sämtliche LAN-Kabel (Receiver, PC) müssen nun in den nächsten Tagen neu verlegt werden.
6. Akt: Die provisorische Hilfsleitung funktioniert. Doch mit diesem Erlebnis, den Erfahrungen der letzten Zeit mit der Telekom bzw. der Kundenbetreuung und der dilettantischen Betreuung während meines Ausfalls wird die Kündigung meines Vertrages in den nächsten Tagen rausgehen.

Rund zwei Milliarden Euro betrug der Werbeetat der Deutschen Telekom im Jahre 2001. Mit dem Wechsel von René Obermann an die Spitze des Telekommunikations-Anbieters Ende 2006 wurde der Etat in mehreren Stufen heruntergefahren. So gab der Konzern im Jahr 2006 in Deutschland „nur noch“ zwischen 700 Mio und 800 Mio EUR für Werbung und Sponsoring aus. Seit 2010 wird der Werbeetat jedoch wieder aufgestockt. Allein das „Telekom Cloud Computing“ wurde 2011 mit 27 Mio. Euro in den Medien beworben (zum Vergleich Apple Ipad 1 25 Mio. Euro). Mit 183, 31 Mio. Euro von Januar bis November 2012 (ein Plus von 4% gg. Vorjahr) zählt die Deutsche Telekom jedoch wieder zu den Top-Ten-Werbungtreibenden in Deutschland. Und wie schreitet der von Ihnen versprochenen Ausbau der Service-Qualität voran, Herr Obermann? Ach ja, nicht mehr ihr Thema. Sie geben den Vorstandsvorsitz Ende 2013 auf. Schade. Aber kein Problem für mich. Ich kann zwar neuerdings meine Anliegen via eMail und Twitter kommunizieren. Aber ein Kunde ihres Unternehmens bin ich Anfang 2014 sicherlich auch nicht mehr.

Neue Kurse “Facebook, Twitter und Co.”

Screenshot Social Media WorkshopDie neue Herausforderung ist die Digitalisierung unseres Lebens. Wir ahnen, dass es gravierende Veränderungen sein werden und ich sehe darin wesentlich mehr Chancen als Risiken.“ Mit diesen Worten wurde der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, im Jahre 2010 auf den Münchner Medientagen zitiert. Nur zwei Jahre später werden US-Präsidentschafts-Wahlkämpfe im World Wide Web entschieden, das so genannte “Social Screening” hält Einzug in unseren Fernsehalltag, 98 Prozent der deutschen Jugendlichen bis 24 Jahre haben ein Konto bei Facebook. Wie kann ich da den Anschluss halten? Was habe ich davon? Welchen Gefahren sind meine Tochter / mein Sohn damit ausgesetzt? Das alles und noch vieles mehr erfahren Sie in meinen Kursen, u.a. beim BWV Münster oder in der Volkshochschule Münster ab nächste Woche Donnerstag, 15.11.2012. Und es sind noch wenige Plätze frei! Ich freu´ mich darauf.

Quo vadis 2012/2013, SC Preussen Münster?

Spielszene SC Preussen Münster14 Spiele, 29 Punkte, Tabellenplatz 1 in der dritten Liga. Und das in der zweiten Saison nach dem Aufstieg. Wer hätte das zu Beginn dieser Saison gedacht? Vor allem nach den Vereins-internen Querelen zu Beginn des Jahres? Sicher nicht einmal die optimistischsten Fans des SC Preussen Münster. Zufall? Glück? Wie ist der hervorragende Tabellenplatz der Preussen einzuordnen? Alles nur ein Höhenflug? Der Turbo der Aufstiegseuphorie? Oder reicht es am Ende gar für den Aufstieg in die zweithöchste deutsche Spielklasse? Will man ehemaligen Leistungsträgern wie beispielsweise Stürmerstar Sercan Güvenisik Glauben schenken (siehe Twitter-Meldung, unten rechts) oder den zahlreichen “Edel-Supportern” (u.a. Ex-Handelsblatt Mitarbeiter Thomas Knüwer) dann ist das Thema Aufstieg kein Hirngespinst mehr. Bisher halten sich jedoch die Verantwortlichen mit Formulierungen rund um das Thema zurück.

Twitter Statement Sercan Güvenisik zum SC Preussen MünsterWer das Spiel gegen die ähnlich starken Kickers aus Offenbach (zuletzt neun Mal ungeschlagen!) am Samstag im Stadion an der Hammer Straße gesehen hat, der war zunächst erzürnt ob der Leistungen des schwachen Schiedsrichters, der den Preussen die drei möglichen und verdienten Punkte mit einem unberechtigten Handelfmeter aus den Händen gerissen hatte. Später jedoch durfte man als Fan sehr zufrieden sein von der Leistungsbereitschaft der Adlerträger, die Marschroute des Trainers perfekt umgesetzt zu haben. Das Vorhaben des Tabellenführers, Freistöße in der eigenen Hälfte aufgrund der Standard-Stärke der Offenbacher zu vermeiden, ging zwar nicht immer auf, aber die baumlangen Gegner fanden im Großen und Ganzen nur selten den Weg in die Strafraumnähe der Preußen.

Nach dieser starken Leistung, vor allem nach dem Gegentreffer, will ich mich mittlerweile einreihen in die Riege der oben genannten Optimisten, die das Thema Aufstieg bisher  öffentlich in den Mund genommen haben. Warum? Das Mannschaftsgefüge der Preußen aus älteren und jüngeren Spielern scheint perfekt zu harmonieren. Taktisch clevere Aufstellungen wie beim 4:0-Sieg gegen den Aufstiegs-Mitkonkurrenten aus Bielef… oder das starke 5:2 Zuhause nach einem Rückstand gegen die “Kogge” aus Hansa Rostock sprechen zudem für eine funktionierende Bindung zwischen Mannschaft und Trainer Pavel Dotchev. Überhaupt scheint der offensiv ausgerichtete Stil des Trainers (nach Erfolgen mit Paderborn) auch in Münster zu funktionieren. Dafür dürften nicht zuletzt die starken Leistungen der Offensiv-Kräfte Amaury Bischoff (5 Tore) und vor allem Matthew Taylor (9 Tore) verantwortlich zeichnen.

Gibt es jetzt in der entscheidenden Phase (mit DFB-Pokal Spiel gegen Augsburg und den Liga-Spielen gegen Karlsruhe und Chemnitz) keinen Einbuch, bleiben die Leistungsträger Torwart Daniel Masuch, Kapitän Kühne, Patrick Kirsch, Jens Truckenbrod und vor allem Matthew Taylor gesund, funktioniert die Korrespondenz zwischen Mannschaft und Trainer weiterhin so reibungslos, wird der SC Preußen Münster in der nächsten Saison vielleicht in der zweiten Fußball-Bundesliga spielen. Das wäre eine Ding! Aber zunächst steht nicht nur das schwere Spiel gegen die Bundesligisten aus Augsburg auf dem Programm. Wieder so ein möglicher Wendepunkt in der immer rosiger strahlenden Historie des SCP. Ich drück´ jetzt schon einmal die Daumen!

Und weil es so schön war, die Fans beim DFB-Pokalsieg über den SV Werder Bremen:

[youtuber youtube='http://www.youtube.com/watch?v=g7nNxMwS-zw&feature=relmfu']

Ein Rekordsprung als Social-Media-Event

Wenn am heutigen Montag, nur ein Tag nach dem Rekordsprung von Felix Baumgartner aus 39 Kilomentern Höhe, auf den Pausenhöfen und in den Cafeterien über das gestrige Event gesprochen wird, werden viele nicht wissen worum es geht. Denn es soll angeblich (vor allem in Deutschland) noch einige wenige Menschen geben, die sich der sozial medialen Vernetzung komplett entziehen. Dabei hat der österreichische Getränkehersteller aus Salzburg, der den vierfachen Rekordversuch des Landsmannes unterstützte, komplett auf die Verbreitung via Social Media gesetzt. Das heißt, keine Exklusivverträge mit Fernsehstationen oder Verlagen. Keine Vermarktung auf den “herkömmlichen” Wegen der PR. War das ein Fehler? – Ganz klar: Nein! Das war sogar sehr clever.

[youtuber youtube='http://www.youtube.com/watch?v=FHtvDA0W34I'] Die umfangreich (medial) geplante Aktion hat gezeigt, dass die Produktion eines eigenen Contents noch immer die beste und effektivste Methode ist, Aufmerksamkeit in eigener Sache zu erzeugen. Beispielsweise veröffentlichte der Hauptsponsor direkt nach der Landung ein Photo des tollkühnen Extremsportlers auf Facebook. Natürlich auf der für das Event installierten Fanseite. In weniger als 40 Minuten wurde das Photo mehr als 29.000 Mal geteilt, es erhielt 216.000 “Gefällt mir” und über 10.000 Kommentare. Bis heute (Stand Montag 12:00 Uhr) hat die Seite mehr als 675.000 “Fans” und weitere 278.000 sprechen darüber. Social Media Marketing and Corporate Communction at it´s best!

Ad Nystrom, Social Media Red Bull Stratos Mission Control Center

Ad Nystrom, Red Bull Social Media: “My social media mission control is blowing up”.

Jede selbstorganisierte Aktion, sei es auch nur ein lustiges Video, sorgen für eine nachhaltige Steigerung der Unternehmens-Wahrnehmung. Die Werbereichweite und mediale Aufmerksamkeit, die der Getränke-Konzern aus Österreich für diese Unterstützung des angeblich 20 Millionen Euro teuren Extremfluges bekam, dürfte mehr als das zehnfache wert sein. Auf vielen weiteren verschiedenen Social Media-Netzwerken wurde der vierfache Rekordversuch live mitverfolgt und vor allem mitdiskutiert. So berichtet beispielsweise YouTube in seinem Firmenblog, dass der Live-Stream des Sprungs einen neuen Rekord auf Googles Video-Plattform aufstellte. In der Spitze sahen über acht Millionen Nutzer dem insgesamt fast zweieinhalb-stündigen Spektakel gespannt zu.

Ich selbst habe von dem Rekordversuch, natürlich, auf Twitter erfahren. Vor vier Wochen. Ich habe die Tweets der verantwortlichen Personen abonniert (Bsp Ad Nystrom) und wusste von den vorherigen Versuchen und von den Schwierigkeiten, die damit verbunden waren. Parallel zum Live-Stream auf Youtube habe ich dann am Abend den Sprung auf dem Smartphone, dem so genannten “2. Screen” kommentiert. Zusammen mit vielen tausenden anderen “Twitterern” auch. Durch die rasend schnelle Verbreitung schaffte es der Hashtag “Stratos”, so hieß die Mission, sofort auf Platz 1 der weltweiten Trendcharts auf Twitter. Und das mit großem Abstand. Mehr als andere Quellen geben die “Trending Topics” heutzutage darüber Aufschluss, was weltweit in den Medien diskutiert wird. Die Trending Topics sind nicht nur durch diesen Beleg meines Erachstens übrigens ein Muss für jeden Chefredakteur.

Natürlich kann nicht jedes Unternehmen einen waghalsigen Extremsportler an den Rand des Weltraums schicken. Auch wird nicht jedes Jahr ein Mann oder eine Frau auf die Idee kommen, aus einer Höhe von 37 Kilometern aus einer Kapsel zu springen. Doch auch kleinere Firmen können mit wenigen, geschickt eingesetzten Mitteln und vor allem mit eigenem Content für eine nachhaltige Steigerung der Unternehmens-Wahrnehmung sorgen. So hat beispielsweise der Online-Streaming-Kanal und Fernsehsender ServusTV ganz geschickt auf eine multimediale Berichterstattung sowie – Begleitung dieses Events gesetzt. Mit Erfolg. Rekordeinschaltquoten und Steigerung der Bekanntheit. Sollten mich meine Enkel in 40 Jahren fragen, wo ich den Sprung von Baumgartner aus seinem Helium-Ballon gesehen habe, dann bleibt mir zum Glück diese Antwort erspart: “Baumgartner? – Darüber habe ich zwei Tage später in der Zeitung gelesen.”