Wir halten durch! Die Leerstellen werden gefüllt. Während rundherum in den benachbarten und gegenüberliegenden Häusern und Wohnungen pünktlich gegen 19 Uhr der Fernseher eingeschaltet wird, bekommt unser Sohn seinen Brei. Ohne Zeitdruck. Ohne Hektik, die Kochsendung, den 20:15-Uhr-Krimi oder die Lieblingsserie zu verpassen. Ein gutes Gefühl. Die spürbare Gelassenheit scheint sich auf unseren Sohn zu übertragen, die “Zu-Bett-geh-Zeremonie” dauert seit einigen Tagen nur noch wenige Minuten. Nach dem Abendessen ist die Abendplanung jetzt noch abwechslungsreicher geworden. So hatte ich zum Beispiel Zeit, nach Literatur rund um das Themenspektrum “Fernsehverweigerung” zu suchen. Ein Buch, oder vielmehr nur eine Studie habe ich dazu gefunden: Peter Sickings “Eine qualitative Nichtfernsehstudie – Leben ohne Fernsehen“. Der Autor entwickelt darin eine datengestützte Typologie, die einen differenzierten Blick auf die Nichtfernseher erlaubt. Mit anderen Worten, er hat sich mit Fernsehverweigerern unterhalten und die verschiedenen Personen in Gruppen eingeteilt. Dass ich darin als “Antipode der Fernsehgesellschaft” bezeichnet werde, hat mir dennoch ein bisschen Angst gemacht.
Wen es interessiert, weitere gute Bücher zum Thema sollen angeblich “Vorsicht Bildschirm” von Manfred Spitzer und “Wir amüsieren uns zu Tode” von Neil Postman sein. Das will ich an dieser Stelle noch erwähnt haben. Erwähnen sollte ich auch, dass unsere Abende kürzer geworden sind – ohne Fernseher. Man muss sich halt erst einmal an die neue Situation gewöhnen. Mit der neuen Gelassenheit, dass nichts mehr verpasst werden kann, weil schlichtweg die Möglichkeit, Informationen/Unterhaltung auf diesem zu konsumieren, nicht mehr vorhanden ist, bekommen andere, vernachlässigte Tätigkeitsfelder eine neue Gewichtung: Das Pflegen von Freundschaften, die intensivere Recherche in der Fachliteratur, die Lektüre von Tageszeitung und Zeitschriften. Vor allem das “Mehr” an Schlaf, mehr Gelassenheit, mehr Unbekümmertheit sind schöne Erfahrungen, die wir zur Zeit machen. Rückblickend wird deutlich, wie sehr der schnelle Griff zur Fernbedienung zur Zeitverschwendung wurde.
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Das Internet und seine digitalen Netze sind längst essentiell. Egal ob in der Industrie, bei Behörden, für Journalisten, Berater oder für Privatpersonen, ohne “Online” geht meistens nichts. Doch das Internet ist wie ein öffentlicher Platz. Man kann sich dieses “World Wide Web” durchaus wie einen großen Marktplatz oder eine riesige Einkaufshalle vorstellen. Genau deshalb ist das Netz zu einer kritischen Infrastruktur geworden, die zwar nicht ohne Risiken aber für die moderne Zivilisation mittlerweile auch fast so wichtig ist, wie die Versorgung mit Strom und Wasser. Also, sichern Sie ihre Daten, lassen Sie nichts online liegen! Veröffentlichen Sie keine Passwörter, ihre Steuererklärung oder sonstigen privaten Dinge. Im Internet findet sich alles (wieder). Lebenslänglich. Und darüber hinaus. Eine schöne Ansprache zum heutigen Safer Internet Day hat die EU-Kommissarin für Digitale Agenda, Neelie Kroes, online gestellt. In Ihrer Video-Botschaft zum Safer Internet Day 2013 stellt sie noch einmal den großen Stellenwert einer verantwortungsvollen Internetnutzung heraus. Falls gewünscht, gebe ich gerne Tipps für den sicheren Umgang mit privaten Daten, auch und besonders in den Sozialen Netzwerken. Besuchen Sie einfach einen meiner Kurse (siehe Kalender rechts!) oder vereinbaren Sie einen Termin.
War es eine blöde Idee? Verzicht tut weh. Das weiß jeder. Mit diesen Worten lässt sich vielleicht die Erfahrung aus der ersten Woche ohne Fernseher zusammenfassen. OK, ich habe jetzt mehr Zeit. Ich recherchiere. “Ein bewusster Verzicht auf mancherlei Dinge und Gewohnheiten schmälert nicht das Lebensglück, es schafft im Gegenteil neue Freiräume und Kreativität, was am Ende befriedigender ist als die Hetze im Hamsterrad der Immer-mehr-Ideologie” ist
Ob es an den wenigen Sonnenstrahlen lag, die tagsüber immer wieder durch die Wolkendecke über Münster stachen? Oder gar an den “angenehmen” Temperaturen von bis zu 11 Grad Celsius? Wie auch immer, aus ganz besonderem Interesse freue ich mich über die (einstimmige) Entscheidung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung der Stadt Münster, die Volkshochschule bis mindestens 2016 im Aegidiimarkt beheimatet zu lassen. Diese Entscheidung fiel am gestrigen Donnerstagabend. Und damit nach dem Wegfall der Räumlichkeiten am VHS-Standort Katthagen ausreichend Platz für die Kurse aus dem reichhaltigen Angebot bleibt, wird das ehemalige Geschäftslokal des Ausrüsters “Kettner” angemietet und umgebaut. Das berichtet die Münstersche Zeitung in der heutigen Ausgabe.
Warum? Wie soll das gehen? Als Kulturfan. Als Filmfan. Als Sportfan? Ohne Fernseher? Und deine Lieblingsserie? Die Sportschau? WIE das geht und vor allem WAS passiert, das wissen wir selber noch nicht so genau. Gründe könnten wir mehr als drei für unsere Entscheidung anführen: Die Geburt des Sohnes, das schlechte Programm, die verlorene Zeit, die fehlende Zweisamkeit, die Qualität der gewonnenen Zeit u.s.w.. Sich nicht mehr “berieseln” oder “verleiten” lassen. Weniger Werbung, weniger Konsum. Vielleicht ein besserer Mensch werden.