Kultur

MiMi in Münster

Mimi Mueller-Westernhagen im Gleis 22 in MünsterSie ist jung, geboren 1985 in Twickenham/GB. Und sie ist hübsch, Typ Twiggy, aufgewachsen in London, mit einem besonderen Markenzeichen: verlängerte Wimpern. Obwohl sie eigentlich Sarah Reema Westernhagen heißt, nennt sie sich nur MiMi. MiMi wer? Westernhagen? Richtig! Auch wenn die junge Künstlerin nur MiMi genannt werden will, ist auf jeder Ankündigung zu ihren Konzerten stets zu lesen, dass sie die Tochter des „großen“ Marius Müller-Westernhagen ist. Ein Fluch? Wohl mehr ein Segen. Nach ersten musikalischen Gehversuchen mit ihrer Band „Battlekat“, hat sie sich 2009 von den meisten Mitgliedern losgesagt (bis auf ihren Ex-Freund Rob, Bassist der Band, der sie auch heute noch begleitet) und versucht sich nun als Solo-Künstlerin. Ihre erste Solo-CD „Road To Last Night“ nahm sie in Hamburg auf, da lebt auch ihr Vater mit seiner neuen Fau Romney. MiMis erste CD erschien im Juli, wenig später kam sie mit ihren neuen Songs ins Gleis 22 nach Münster.

Früher hat MiMi als Model gearbeitet, 2009 wollte sie sogar der Playboy für eine Titelstory mit ihrem stolzen Vater. Beide haben „Ja“ gesagt. Sie ist das Rampenlicht also gewöhnt. Auf der Bühne in Münster wirkt sie jedoch überraschend schüchtern. Ihre Kleider entwirft sie selbst. Am Abend im Gleis trägt sie ein geblümtes Top mit einer gepunkteten, braunen Stoffhose. Noch vor dem ersten Song stellt sie sich kurz vor: „Hello, I´m Mimi!“ Das klingt nicht nur irgendwie niedlich, das wirkt auch so. Im gut gefüllten Gleis trägt sie ihre sehr ungekünstelten, ehrlichen Pop-Songs vor. Leicht, verspielt, melodisch. Das Ganze erinnert ein wenig an einen Mix aus Katie Melua (ohne die Melancholie) mit einer kleinen Prise Vampire Weekend.

  Zu den Songs schaut MiMi an die Decke, selten ins Publikum und sehr oft auf ihre Band. Sie liebt ihre Band. Und ihre Band erwidert diese Liebe. Alle sind sehr jung. Die Liebe zur Musik (aller Beteiligten) spürt man aber, bis in die letzte Reihe. Das etwas Ungelenke, mit dem sie beispielsweise ihre Arme bewegt oder fahrig nach der richtigen Haltung auf der (viel zu großen) Gitarre greift, ist ungewöhnlich. Das kann sie nicht von ihrem Vater haben. Marius Müller-Westernhagen war/ist ganz anders, eine, wie man so schön sagt „Rampensau“. MiMi ist alles andere als das, davon ist bei ihr nichts zu spüren. Ja, manchmal fällt vielleicht der Apfel doch etwas weiter vom Stamm.

In diversen Interviews wird sie natürlich immer wieder auf ihren Vater angesprochen. Vor allem in Deutschland. Und was sagt ihr Vater Marius zu ihrer Musik? „Wir haben da so eine Abmachung„, antwortet sie meist, „wir sprechen nie über Musik oder das Business. Ich will meine eigenen Erfahrungen sammeln. Das wäre sonst so, als würde man bei einem Krimi die letzte Seite zuerst lesen. Und das ist doch Blödsinn.“ MiMi trinkt nicht, sie raucht nicht, meidet Menschenmassen und hat auch sonst wenig von einem Rock´n´Roller. „Ich sehe mich gar nicht als professionelle Musikerin. Ich bin eher eine Künstlerin„, ist in anderen Interviews über sie zu lesen. Die Münsteraner goutieren die leichten Klänge an diesem schönen Sommerabend mit warmem Applaus. Vielleicht fehlt ihr noch ein wenig Eigenständigkeit. Ihr Vater könnte da sicherlich ein paar Tipps geben. Wenn sie will.

 

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