Leben ohne Fernseher (2) – Die zweite Woche

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TV-Bank durchgestrichen zum Thema TV-VerzichtWir halten durch! Die Leerstellen werden gefüllt. Während rundherum in den benachbarten und gegenüberliegenden Häusern und Wohnungen pünktlich gegen 19 Uhr der Fernseher eingeschaltet wird, bekommt unser Sohn seinen Brei. Ohne Zeitdruck. Und ohne Hektik, die Kochsendung, den 20:15-Uhr-Krimi oder die Lieblingsserie zu verpassen. Ein gutes Gefühl.

Die spürbare Gelassenheit scheint sich auf unseren Sohn zu übertragen, die „Zu-Bett-geh-Zeremonie“ dauert seit einigen Tagen nur noch wenige Minuten. Nach dem Abendessen ist die Abendplanung jetzt noch abwechslungsreicher geworden. So hatte ich zum Beispiel Zeit, nach Literatur rund um das Themenspektrum „Fernsehverweigerung“ zu suchen. Ein Buch, oder vielmehr nur eine Studie habe ich dazu gefunden: Peter Sickings „Eine qualitative Nichtfernsehstudie – Leben ohne Fernsehen„. Der Autor entwickelt darin eine datengestützte Typologie, die einen differenzierten Blick auf die Nichtfernseher erlaubt. Mit anderen Worten, er hat sich mit Fernsehverweigerern unterhalten und die verschiedenen Personen in Gruppen eingeteilt. Dass ich darin als „Antipode der Fernsehgesellschaft“ bezeichnet werde, hat mir dennoch ein bisschen Angst gemacht.

Wen es interessiert, weitere gute Bücher zum Thema sollen angeblich „Vorsicht Bildschirm“ von Manfred Spitzer und „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman sein. Das will ich an dieser Stelle noch erwähnt haben. Erwähnen sollte ich auch, dass unsere Abende kürzer geworden sind – ohne Fernseher. Man muss sich halt erst einmal an die neue Situation gewöhnen. Mit der neuen Gelassenheit, dass nichts mehr verpasst werden kann, weil schlichtweg die Möglichkeit, Informationen/Unterhaltung auf diesem zu konsumieren, nicht mehr vorhanden ist, bekommen andere, vernachlässigte Tätigkeitsfelder eine neue Gewichtung: Das Pflegen von Freundschaften, die intensivere Recherche in der Fachliteratur, die Lektüre von Tageszeitung und Zeitschriften. Vor allem das „Mehr“ an Schlaf, mehr Gelassenheit, mehr Unbekümmertheit sind schöne Erfahrungen, die wir zur Zeit machen. Rückblickend wird deutlich, wie sehr der schnelle Griff zur Fernbedienung zur Zeitverschwendung wurde.

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